Not long now

Niet lang meer

Carmien Michels

Carmien Michels

Carmien Michels (Belgium, 1990) dances between pen and podium, between the urban and the classic. She studied wordcraft at the Koninklijk Conservatorium of Antwerp. Her debut novel We zijn water (We Are Water, 2013, De Bezige Bij) was shortlisted for the De Bronzen Uil 2014 debut prize. Her second novel Vraag het aan de bliksem (Ask The Lightning) was published by Uitgeverij Polis. In 2011 she won the Dutch NTR Radioprijs, and in the final of the 2014 Belgian Poetry Slam Championship, she earned the People’s Choice award. In 2016 she won the Dutch Poetry Slam Championship. She graces scores of stages, organizes events, presents, teaches, and in 2016 she is touring with the music theatre performance BARTóK, is conducting research into language simulation at the Koninklijk Conservatorium of Antwerp and is working on her poetic debut in faraway lands.

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Niet lang meer

Carmien Michels' citybook over Münster Niet lang meer zal in voorpublicatie te lezen zijn in het literaire tijdschrift DW B (juni 2017) en wordt daarna ook hier gepubliceerd.
Je kan het citybook nu al beluisteren, voorgelezen door de auteur. Bekijk hier een video waarin Carmien tijdens haar verblijf in Münster vertelt over haar citybook.

De Engelse vertaling werd gerealiseerd door studenten Nederlands van de University of Sheffield, University of Nottingham en University College Londen. Zij vertaalden onder leiding van literair vertaler Jonathan Reeder begin 2017 haar citybook naar het Engels in het kader van het vertaalproject UK Collaborative Translation Project 2017.
Lees meer en bekijk het videoveslag van het vertaalproject.

Lees hier een verslag van Carmien over het vertaalproject: Rompjes, peetersilnek en kinky standjes in de UK.

 

 

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Nicht mehr lange


An jeder Straßenecke stößt man auf eine Kirche, eine für jeden Krieg, den die Stadt im Laufe der Jahrhunderte überstanden hat. Wenn die Kinder hier Himmel und Hölle spielen, hüpfen sie nicht über die Buchstaben des Alphabets oder die Zahlen von eins bis zehn. Nein. In dieser Stadt hüpfen sie den Kriegsverlauf nach. Kriegserklärung, Belagerung, Verwüstung, Kapitulation oder Sieg und schließlich Frieden und Wiederaufbau. Bei jedem Sprung leuchten die Glühwürmchen an den Sohlen ihrer Sneaker kurz auf.

Unter den Füßen liegen unzählige Städte. Die Häuser und Straßen wurden im Krieg unter solchen Unmengen an Schutt und Trümmern begraben, dass es sinnlos gewesen wäre, das alles wieder aufzuräumen. Es hätte Jahre gedauert, die Hinterlassenschaften der Vergangenheit wegzuschaffen und ein neues Heim auf unversehrter Erde zu errichten: Jahre der Geduld, die die Einwohner schon viel zu lange hatten aufbringen müssen.

Also legten die Bürger nach jedem Sieg fleißig neue Straßen über den vorhergehenden an, gepflastert mit den Schädeln der Feinde. Im Falle einer Niederlage und folgender Fremdherrschaft taten sie exakt dasselbe, allerdings mit den Schädeln ihrer Liebsten als Baumaterial und mit Ergebenheit statt Fleiß. Auf die knochenbleichen Pflastersteine tropfte das Blut ihrer gefolterten Anführer, die in Käfigen an den Kirchtürmen hingen, um alle abzuschrecken, die auf die Idee kommen könnten, erneut nach der Macht zu greifen.

Aber immer war jemand verrückt genug, einen neuen Kampf zu beginnen.

Und so wurde die Stadt durch jeden Feind um eine neue Schicht reicher, als hätte sich ein zischender Vulkan immer wieder aufs Neue an der Tatkraft und der Jugend der Stadt gelabt. Die Bürger traten diesem Feuergott jedes Mal trotzig entgegen, diesem Gott, der nicht der ihre war und der bestimmt verlöschen würde, wenn sie nur genügend Kirchen errichteten.

Eines Tages war es soweit. Während eines alles versehrenden Krieges hatte der Vulkan so sehr geblutet, dass er sich in einen tiefen Schlaf zurückzog. Die Überlebenden krochen aus den Luftschutzkellern, krempelten die Arme hoch und bauten die Stadt gründlich wieder auf. Sie waren wahre Meister der Trauer. Die Asche der Toten vermischten sie mit Weihwasser und asphaltierten damit die Straßen. Von Kirche zu Kirche. Jedes Gotteshaus eine Bußübung für die Vergangenheit. Und dann herrschte Frieden.

In den Kirchen schlagen die Gläubigen demütig das Kreuzzeichen, nicken die bösen Gedanken weg, knien nieder und entzünden Kerzen für alle diejenigen, die ihnen genommen wurden. Jahr ein, Jahr aus.

Wohin gehen die bösen Gedanken? Nicht zu den Gärten, in denen mit grünen Daumen Kürbisse gezogen und Rosen beschnitten werden. Nicht zu den Parkanlagen, in denen die Bewohner spazieren, joggen, mit ihren Hunden und Kindern spielen, einen Buggy oder Rollator vor sich her schieben. Nicht zu den Seminarräumen, in denen die Studenten sich durch die geöffneten Fenster ihre Zukunft rosafarben träumen. Nicht zu den Kneipen, in denen Jung und Alt während der Happy Hour auf das Leben anstoßen. Seit dem letzten Krieg kleiden sich die Bürger jeden Morgen in fromme Gedanken, Lebensfreude und Frieden.

Und doch schlummert dort etwas. Unter der Stadt schläft der Vulkan seinen Rausch aus. Hin und wieder stöhnt er im Schlaf auf, eine Erschütterung, die in die Träume von immer mehr Seelen dringt. Sein heißer Atem versengt ihre Nackenhaare. Geschlossenen Auges ziehen sie die Harnische an, kampfbereit. Noch vor der Morgendämmerung suchen sie wieder verstört ihr Bett auf und nuckeln an den Schultern ihrer Liebsten, verirrte Kindermünder auf der Suche nach der mütterlichen Brust.

Falls die Glocken der vielen Kirchen einmal nicht läuten, regnet es. Alle bösen Gedanken fließen mit dem Regen in die Abwasserkanäle, fallen Tropfen für Tropfen auf die Überbleibsel der vorigen Stadt, sickern in ältere Kanäle. Durch die zunehmende Hitze rollen sie wie Murmeln von Geisterstadt zu Geisterstadt, bis sie in den Bauch der Stadt gelangen, wo sie auf jahrhundertealte Schädel prasseln, wie Hagelkörner Dellen und Löcher schlagen, bevor sie im Kehlkopf alter Krieger zur Ruhe kommen.

Lüsterne Blicke? Geizige Griffel? Eitle Lippen? Zeternde Weiber? Prassende Kerle? Faule Kröten? Brennende menschliche Fackeln? All das findet man hier nicht. Wenn in den Kneipen doch einmal ein Schluckspecht auffällt, dann ist es ein Tourist oder ein Student, der sich hier noch nicht auskennt. Wer hier geboren wurde, weiß sich zu beherrschen. Wer hier geboren wurde, weiß, was Sache ist. Er tut keiner Fliege etwas zuleide, befolgt die Verkehrsregeln, genießt am Wochenende Sonne und Wasser, geht mit dem Hund raus, engagiert sich ehrenamtlich und ist mindestens in einer Blaskapelle Mitglied.

Die Blaskapellen ziehen samstags durch die Stadt oder über die Promenade, die einen Ring aus Radwegen um den Stadtkern bildet. Ihre Trommeln sind mit Häuten bespannt, derart weiß und grau gefleckt, dass die Trommelbauer kein Tier gehäutet zu haben scheinen, sondern den Mond selbst. Auf dem Rhythmus von Ebbe und Flut paradieren sie durch die Straßen und beschwören die Kriege, die noch irgendwo in ihren Ohren marschieren.

Die langen Paraden bringen die Touristen zum Lächeln, verführen sie dazu, Fotos zu machen und an einem Eis zu lutschen. Das idyllische Geklingel der unzähligen Glocken im Hintergrund stimuliert sie zu romantischen Küssen. Doch wer die Geschichte kennt, schlägt lieber ein Kreuz. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Berühre den Kopf, die Brust, linke Schulter, rechte Schulter. Jedes Volk braucht einen Gruß, um sich miteinander verbunden zu fühlen – und mit etwas Höherem.

Die Augen der Touristen sehen Menschen, einzig und allein gottesfürchtige Menschen, glückliche Menschen. Eltern, die mit ihren Kindern auf den Sportplätzen Federball spielen oder die Seile zwischen Bäume spannen, um das Gleichgewicht zu trainieren. Die Augen der Touristen sehen in der Übung nur die Übung. Im Sport den Sport. Im Glauben den Glauben. Ihr Blick sucht Gegenstände und Erfahrungen, die anders sind als zu Hause, die dadurch eine Brücke zwischen hier und dort bilden, zwischen der sakralen Außenwelt und der abgeschlossenen Innenwelt. Ihr Blick sucht Bestätigung der eigenen Existenz.

Ganz anders schauen die Augen der vielen Porträts im Saal des Rathauses herab; Abgesandte, die einst den Frieden erzwangen, indem sie sich gemeinsam Kompromissen unterwarfen. Sie sehen Bewohner, die sich für eine ungeahnte Gefahr bereit machen, die ein Gleichgewicht zwischen der täglichen Banalität und etwas Drohendem suchen, das ihnen im Nacken sitzt. Etwas, das sie nicht benennen können, das sie allenfalls mit einem Federballschläger abwehren können, mit einem Kreuzzeichen oder einem Baseballschläger. Wem das alles nicht glückt, heiratet einen Ausländer und geht weg, macht Platz für neues Blut.

Jedes Jahr liefern Partnerstädte massenhaft neue Studenten an. Intellektuelles Kanonenfutter für später. Sorglos liegen sie in Shorts oder Bikinis im Gras, halten ihre Lehrbücher über den Köpfen, um sich vor der Sonne zu schützen. Wenn sie wegschauen, brennen keine schwarzen Flecke sondern Definitionen und Grafiken auf ihrer Netzhaut. Zwischen ihren bunten Handtüchern und Picknickdecken hoppeln Krähen und Kaninchen. Alles scheint hier vollkommen friedlich und regungslos zu sein.

 


Auf einer Mauer neben einer Kirche sitzen drei alte Männer, vor ihnen steht ein Rollator als Tablett. Auf den ersten Blick scheinen sie Karten zu spielen. Wer aber genau hinschaut, erkennt, dass sie keine Bauern, Damen oder Könige in den Händen halten, sondern Fotos von früher. Abwechselnd graubraune Postkarten mit posierenden Soldaten und vergilbte Familienfotos. Auf der Rückseite stehen Liebesbotschaften oder ein Mit herzlichen Grüßen.

Was für ein Spiel spielen sie? Sie diskutieren über jede Karte, die gelegt wird. Eine Erinnerung, die ins Schloss fällt. Sie werden nicht laut, wissen, sie müssen ihren Atem für die Nacht aufheben.

Als das Spiel beendet ist, stößt einer der Männer mit seinem Spazierstock auf einen Pflasterstein. Sein Nachbar nimmt einen Schluck aus einem Flachmann.

„Wie lange noch?“, fragt der Mann mit dem Stock.

Der dritte Mann schüttelt den Kopf und teilt die Karten neu aus. Die drei spielen weiter, bis die Sonne tief zwischen den Reihen herrschaftlicher Häuser auf dem Platz steht. Niemals lassen sie sich den Rhythmus von den Straßenmusikanten diktieren, die etwas weiter unter der Säulengalerie Lieder aus aller Welt spielen.

Ein Akkordeonspieler und jemand mit einer Strohgeige. Tag für Tag heitern sie einander auf, Lied für Lied. Sie müssen keine Straßencafés für etwas Kleingeld von Touristen abgehen. Sogar wenn sie zwischendurch nur schwatzen oder lachen, klimpern die Münzen nur so in ihren Hüten.

Der Akkordeonspieler lehnt mit dem Rücken am ältesten Haus am Platz, eine Originalfassade mit ungleichen Steinen. Jahrelang befand sich darin das Stammcafé der drei alten Männer, Café Kleimann, aber seit einigen Monaten bleiben dort Türen und Fenster geschlossen. Erbschaftsangelegenheiten, flüstern die Pflastersteine.

Die umliegenden Gebäude imitieren die sandfarbene Fassade, aber sie sind zu perfekt, zu gerade. Wer diese Häuser nach den letzten Bombardements wiederaufbaute, hörte auf den Tonfall des politischen Führers, dessen Radiostimme ihm für immer in den Ohren nachhallen wird.

Die Häuser an diesem Platz gehören den gleichen Familien wie alle anderen stattlichen Gebäude in der Innenstadt. Familien, die Grund und Boden nur untereinander handeln. Ein auserwählter Kreis von Menschen, die hier das Licht der Welt erblicken, studieren, heiraten, arbeiten, Vermögen erben, Kunst kaufen, klassische Konzerte im Schloss organisieren, applaudieren und schließlich im Familiengrab beerdigt werden.

Nur wer in der Innenstadt geboren wurde und dessen Eltern und Großeltern hier geboren wurden, gehört zu dieser Stadt. Alle anderen bleiben für alle Zeit Fremde. Praktische und austauschbare Mieter, Außenstehende, die nicht verstehen, warum es ihnen in dieser Stadt nicht gelingt, ruhig zu schlafen, Unwissende, die mit offenen Augen von Kapellen träumen, die durch die Straßen marschieren: die Trommeln bespannt mit der Haut des Mondes, Blut, das in ihren Ohren pulsiert, als wären sie selbst den Gezeiten unterworfen. Wenn diese Infantilen morgens schweißgebadet aufstehen, schmeißen sie ihre Angst in den Wäschekorb und greifen sich ordentliche Kleidung. Ohne hinzuschauen binden sie ihre Schnürsenkel.

Wenn sie dann eines Tages erkennen, dass sie den Knoten nicht mehr zerschlagen können, schließen sie sich einem der zahlreichen Chöre oder einer der Blaskapellen der Stadt an. Solange sie selbst Musik machen, schlafen sie problemlos im Gedröhn der Nacht.

Es gibt aber auch Mädchen und junge Männer, denen jegliches musikalische Talent fehlt. Die früher Abend für Abend von ihren Müttern und Vätern in den Schlaf gesungen wurden, weil sie selbst nicht in der Lage waren, die Schlaflosigkeit zu überwinden. Wenn sie mitten in der Nacht erwachten, krochen sie zwischen ihre Eltern, deren Schnarchen in ihrem Brustkasten widerklang und sie beruhigte. Diese jungen Leute gehen nun zu Konzerten, tanzen bis ihre Beine wie Plomben an ihren Becken baumeln, halten einander durch rhythmisches Keuchen wach und schlafen wie Löffel, während der Plattenspieler alte Musik spielt, aus der Jugend ihrer Eltern. Das gibt ihnen das Gefühl, dass sie bereits lebten, bevor sie gezeugt wurden.

 


Eine dieser Schlaflosen ist eine einundzwanzigjährige Studentin. Ihre langen schwarzen Haare hat sie golden gefärbt. Sie trägt einen Zopf hinter ihrem rechten Ohr. An einem Tag fällt er vor die Schulter, am nächsten dahinter. Dann bedeckt der Zopf ein Tattoo aus drei Zahlen: 16.9.88. Das ist nicht ihr Geburtsdatum, dafür ist sie zu jung. Es ist das Datum, an dem ihre Eltern einander begegnet sind, der Tag, an dem der Keim für ihr eigenes Leben gelegt wurde, von dem ihre Existenz abhing. Die Tage, die darauf folgten, sind unwesentlich. In ihnen entfernten sich ihre Eltern immer weiter voneinander. Schon bevor sie versehentlich ein Embryo wurde, gab es sie bereits. Das zählt.

Sie hat noch ein weiteres Tattoo. Auf dem großen Zeh des rechten Fußes steht die Zahl dreizehn. Als sie in Amsterdam zu Besuch war, betrat sie ein Tattoostudio, ohne zu wissen, was sie wollte. An einem Freitag, dem dreizehnten.

„Jetzt schau nicht so enttäuscht“, sagt sie zu einem, der mehr wissen will. „Das ist mein Körper.“

Ihr Körper erlaubt keinen Schlaf. Zumindest nicht nachts. Wenn sie doch schläft, dann zwischen acht und zehn am Morgen. Danach rollt sie sich aus dem Bett und macht Yoga im Park.

Jeder Mensch hat vierundzwanzig Stunden am Tag, die er auf Bett, Bad, Küche, Schreibtisch, Wohnzimmer und Außenwelt verteilen kann. Was soll man aber machen, wenn sich die Bettstunden türmen wie Überstunden, abzufeiern in einer fernen Zukunft?

Was soll sie machen, wenn sie nicht in den Armen eines fremden Manns liegt und zuhören kann, wie seine Atmung ruhiger wird, zu einem leisen Brummeln wird, sodass sie forthuschen kann? Was soll sie machen, wenn sie nicht irgendwo in einem Studentenwohnheim bis zum Morgenläuten tanzen kann? Was soll sie machen, wenn sie nicht die Kneipen in der Altstadt auf der Suche nach einem tiefsinnigen Gespräch absuchen kann? Dann muss sie studieren. Die Arbeit wartet und lärmt ungeduldig auf ihrem Schreibtisch, jedes Mal, wenn sie nach Hause kommt, die Zähne noch rot vom Wein. Sie kann es nicht weiter aufschieben. Nur die Nachrichten, die von der anderen Seite der Welt in ihr Zimmer strömen, können ihre Aufmerksamkeit noch ablenken. Dort, wo jetzt jeder wach ist.

Ihre Eltern brachten ihr viele Sprachen bei, damit sie mitbekommt, was auf der Welt geschieht, über die ihre Familie verstreut wohnt, wie Muttermale. Auf der Karte über dem Schreibtisch trägt sie ein rotes Kreuz an jedem Ort ein, an dem ein Anschlag passiert. Manche Länder haben so viele Kreuze, dass man den Namen der Hauptstadt schon nicht mehr lesen kann. Versunken in einem roten Meer. In dem Teil der Welt, in dem sie wohnt, geht es noch, alles in allem. Die Frequenz der Anschläge nimmt zu, aber es bleiben genügend Orte unbehelligt. Manche Leute fürchten sich vor einem bestimmten Tag und leben danach mit umso mehr Esprit weiter. Manche Leute träumen davon, Anschläge zu vereiteln und laufen schon einmal lächelnd und stolz umher, wegen ihrer nahenden Heldenrolle. Andere werfen Molotowcocktails auf Flüchtlingsheime. So etwas passiert in anderen Städten. In dieser Stadt steht die Lebensfreude an erster Stelle.

Jede Nacht geht sie die Nachrichtenseiten durch. Kein Tag ohne Konflikt. Manche Tage geben Hoffnung, andere lassen schwarzsehen. Schlechte Neuigkeiten kann man immer und überall finden. Wichtige Nachrichten, die die Menschen um sie herum schockieren, kommen stoßweise.

Gegen sieben Uhr am Morgen ist sie müde und fängt an zu lernen. Eine produktive Stunde bevor ihr der Duft von gebratenem Speck von der Treppe her, unter ihrer Tür hindurch in die Nase steigt. Ihre Mitbewohnerin ist wach. Sie essen zusammen Eier mit Speck. Die Mitbewohnerin bricht zur Arbeit auf und sie selbst beginnt mit ihrem Morgenschlaf. Danach wartet der Tag auf sie.

Über den Tag rettet sie sich mit Geschichten über die Liebe. Die Nacht lässt auf sich warten, solange Menschen zuhören.

„Alle gute Liebesmusik ist aus Selbstmitleid entstanden“, behauptet ein Mädchen aus Philadelphia während eines Pizza-Abends in ihrer Wohnung. Sie tourt durch Europa und übernachtet für ein paar Tage bei dem Mädchen mit dem goldenen Zopf und ihrer Mitbewohnerin. Nach ihrer Meinung ist das einzig wirksame Rezept gegen Liebeskummer, Musik zu hören und das eigene Selbstmitleid zu bemitleiden. Drei der anderen Anwesenden nicken. Nur das Mädchen mit dem goldenen Zopf nicht.

„Das ist doch überflüssig?“, sagt sie. „Wenn eine Beziehung zu Ende ist, sagt man doch maximal noch Fuck off.“

Der Junge rechts von ihr hält den Kopf schief. Sein zarter Körper, die beinahe durchsichtige Haut und die knallgrünen Augen verleihen ihm ein androgynes Aussehen. Er trägt eine rote Jacke mit goldenen Fransen, die aus dem Kleiderschrank eines Zirkusaffen zu stammen scheint.

„Du bist wohl noch nie verliebt gewesen?“, fragt er.

„Ja doch“, sagt der goldene Zopf. „Als ich fünfzehn war. Damals habe ich beschlossen, dass es niemand wert ist, solche schwülstigen Gefühle für ihn zu empfinden.“

Die Amerikanerin macht große Augen.

„Glaub bloß nicht, sie wäre eine Nonne“, sagt die Mitbewohnerin. „Sie hat Liebschaften in der ganzen Welt.“

„Auch Frauen und Transsexuelle?“, fragt der androgyne Junge.

„Männer zwischen zwanzig und vierundvierzig“, sagt der goldene Zopf. „Ganz unterschiedlich, was Charakter und Sex betrifft.“

„Du hast dich nie wieder verliebt?“, fragt die Amerikanerin. „Ich kann erst mit jemandem ins Bett, wenn ich etwas für ihn empfinde. Und im Bett zergehe ich dann voll und ganz.“

„Nicht mein Ding“, sagt der goldene Zopf. „Ich suche mir Männer aus, denen ich mich irgendwie verbunden fühle, aber ich binde mich nicht an sie. Die Regeln sind klar. Wir sind frei, gehören einander keineswegs exklusiv, es gibt keine Beschränkungen oder Verpflichtungen. Wenn ich in ihrer Gegend bin, kann ich bei ihnen übernachten. Wenn sie nervig werden, ist die Sache für mich erledigt.“

„Wie viele Partner hast du gleichzeitig?“, fragt die Amerikanerin.

„Gerade?“ Sie denkt kurz nach. „Viereinhalb.“

„Ein halber Mann?“, lacht der androgyne Junge.

„Jemand, bei dem ich nicht so genau weiß, ob wir nur Freunde sind oder mehr. Ich habe nachher noch ein Date mit ihm.“

„Prima“, sagt die Mitbewohnerin und stellt die leeren Teller aufeinander.

„Vielleicht verliebst du dich nicht, weil du in dich selbst verliebt bist“, sagt der androgyne Junge.

Sie schaut ihm in die Augen, bis er den Blick senkt.

„Ich bin zu vernünftig“, sagt sie. „Ich sehe die Qualitäten eines Mannes, aber auch sofort, was ihm fehlt. Sogar wenn jemand nahezu perfekt ist, sehe ich vor allem seine Unvollkommenheit.“

„Bei Liebe geht es doch gar nicht um Perfektion“, sagt ein Junge, der bislang geschwiegen hat. Er sitzt auf einer Matratze und lehnt mit dem Rücken an einem Bücherregal. Darin stehen Klassiker wie Der Zauberberg und Die Leiden des jungen Werther. Vom Regal schaut eine kupferne Beethoven-Büste milde auf die Gruppe, in der alle in den Zwanzigern sind.

„Mich ziehen gerade Männer und Frauen an, die alles andere als perfekt sind, die etwas Ungewöhnliches haben“, fährt der Junge fort. „Etwas, das sich reibt, wodurch Funken schlagen. Leidenschaft und Fleisch sorgen dann für den Rest.“

Das Mädchen mit dem goldenen Zopf nickt. Unvollkommenheit scheint ihr ein schöner Beginn für Liebe.

„Meine Bettgefährten sind alles andere als perfekt“, sagt sie. „Aber sie sorgen nicht dafür, dass mein Herz schneller schlüge, sie kommen mir einfach nur gelegen.“

„Du hast den richtigen noch nicht getroffen“, sagt die Amerikanerin.

„Oder du kennst deine Vorliebe noch nicht“, sagt der androgyne Junge. „Vielleicht stehst du ja auch auf Freaks. Leute, deren Wangen mit Piercings übersät sind. Oder Nekrophile.“

„Ja, da hätte ich große Chancen“, sagt das Mädchen mit dem goldenen Zopf ironisch.

„Oder Leute ohne Arme und Beine. Torsi“, sagt die Amerikanerin und bekommt einen Lachanfall. Sie kennt eine Menge einschlägiger Witze.

„Das Äußere ist mir egal“, sagt der goldene Zopf. „Ich würde auch mit einem Torso ins Bett gehen, wenn er tiefsinnige Sachen erzählen kann. Vielleicht wäre das sogar einfacher.“

„Was erzählst du jetzt wieder!“, ruft der androgyne Junge. „Sexuell meinst du? Freaky Nummern?

„Das habe ich noch nicht überlegt. Vielleicht. Ich meine, dass solche Menschen dichter bei ihrem Zentrum sind.“

Der androgyne Junge prustet los.

„Alles andere fehlt ja auch!“

„Im Ernst. Ich finde, sie haben dem Tod schon tiefer in die Augen geblickt, dadurch können sie das Leben und die Liebe tiefer erleben. Eros und Thanatos.“

„Ein Klischee“, sagt die Mitbewohnerin, die eine Flasche Rosé nimmt und in der Küche verschwindet.

„Klischees sind Klischees, weil sie oft wahr sind“, sagt der goldene Zopf. „Ich denke, im Krieg würde ich mich leichter verlieben. Die Umstände zwingen einen dann, ohne Unterbrechung wachsam zu sein. Man reagiert instinktiv. Den Luxus der Vernunft kann man sich nicht mehr leisten, denn alles hängt immerzu an einem seidenen Faden.“

Die Amerikanerin nickt.

„Alles wird aufregender, wenn du weißt, dass im nächsten Moment eine Bombe einschlagen kann“, sagt sie.

„Ach, hört doch auf“, antwortet der androgyne Junge. „Ihr tut ja gerade so, als wären Attentate romantisch. Es ist doch fürchterlich, dass jeder Spinner online Waffen bestellen kann und sich dann mit Hilfe einer Anleitung eine Bombe zusammenbastelt.“

Die Mitbewohnerin bringt Pfannkuchen mit Schokoladensoße herein.

„Wisst ihr, was es eigentlich ist?“, sagt das Mädchen mit dem goldenen Zopf, während sie ihren Teller mit einem Pfannkuchen säubert. „Nachahmungsverhalten.“

„Was?“, fragt die Mitbewohnerin.

„Die komplette Menschheit zeigt pausenlos Nachahmungsverhalten. Die Pfannkuchen sind übrigens gut.“

Mit dem Finger befreit sie die Mundwinkel von Schokoladenresten.

„Als sich Robin Williams umgebracht hat, explodierte die Zahl der Selbstmorde weltweit. Zwei Freunde meiner Mutter haben ihrem Leben kurz darauf auch ein Ende gemacht. Vielleicht hatten sie das schon lange geplant, vielleicht auch nicht. Sein Tod gab ihnen den entscheidenden Anstoß.“

„Das wusste ich nicht“, sagt der androgyne Junge belegt.

„Die ganzen Attentate jetzt“, fährt sie fort. „Zuerst waren das Verbrecher, vom IS inspiriert. Sie inspirieren wieder andere Leute. Einzelgänger. Spinner. Oder normale Leute, die einen schwachen Moment haben? Vielleicht hatten sie schon lange was geplant, vielleicht auch nicht. Das hängt alles mit dem richtigen Timing zusammen. Ihre Frau hat sie gerade verlassen oder ein Arbeitskollege etwas Blödes gesagt. Wie auch immer, die Umstände machen sie empfänglich. Ermutigt vom dem, was in den Medien läuft, werden sie selbst aktiv.“

Es klingelt.

Das Mädchen mit dem goldenen Zopf schlüpft rasch in ihre Schuhe und steht auf.

„Ciao“, sagt sie zu dem Grüppchen und verbeugt sich tief. „Es war mir eine Ehre, mich mit euch zu unterhalten.“

Ihre Mitbewohnerin äfft Sexgeräusche nach, während das Mädchen mit dem goldenen Zopf die Treppe hinuntergeht. Bevor sie die Tür aufmacht, färbt sie ihre Lippen rot.

„Oi querido“, sagt sie zu dem jungen Mann vor sich. Er nimmt seine Ukulele in die linke Hand, hält ihr Handgelenk fest und küsst ihre Finger. Sie umgibt sich gerne mit sprachgewandten Männern, aber dieser fasziniert sie gerade, weil er so schweigsam ist. Sie passieren das umtriebige Studentenviertel, machen bei ihrem Lieblingsitaliener Halt, um eine Flasche Ramazzotti mitzunehmen und gehen weiter, bis sie an einen einsameren Ort kommen.

Er zupft auf der Ukulele und singt dazu, während sie kleine Schlückchen von dem Likör trinkt. Sie hat ihn in einem Hotel kennengelernt, wo sie einige Wochen an der Rezeption arbeitete. Dort war er kein normaler Barkeeper. Er jonglierte mit Flaschen, Shakern, Gläsern und Limonen und unterhielt so die Hotelgäste. Jeden Abend versammelte sich eine Gruppe Schaulustiger und bestellte einen Cocktail nach dem anderen, nur um pausenlos seine Künste bewundern zu können. Manchmal johlten sie so laut, dass man sie bis zur Rezeption hören konnte.

Wenn er mit seiner Show fertig war, beeilte er sich, nach draußen zu kommen. Er wünschte ihr immer einen guten Tag, aber schaute dabei auf den Boden. Es zog sie an, dass jemand, der den ganzen Abend im Scheinwerferlicht stand, so verlegen sein konnte.

An ihrem letzten Abend sprach sie ihn an. Ob er noch etwas länger bleiben würde, ihre Schicht sei gleich vorbei. Sie spazierten zu einer Bank am Fluss, der die Stadt zerschnitt. Dort sprachen sie lange miteinander. Besser gesagt, vor allem sie sprach. Er hörte zu und sang Lieder aus Brasilien für sie. Gegen vier Uhr nahm er sie mit zu seinem Auto, wo sie auf dem Rücksitz miteinander schliefen.

Seitdem hatten sie sich mehrere Male getroffen, aber sie waren nicht weiter gegangen als ein Kuss auf die Wange oder die Hand. Keiner von ihnen hatte signalisiert, es dabei belassen zu wollen. Aber genauso wenig hatte einer von ihnen mehr versucht.

Sie beobachtet, wie das Licht einer Laterne auf seine rechte Seite fällt. Unter seinem Top schauen die Schnörkel eines tätowierten Frauennamens hervor, der seine Brust von links nach rechts schmückt. Claudia Maria. Während ihrer ersten Nacht hat sie ihn gefragt, wer das ist. Seine Mutter, hatte er geantwortet. Ob sie noch lebe, hatte sie geflüstert. Er nickte. Seine Mutter hatte ihn neun Monate lang getragen und darum wolle er sie sein ganzes Leben lang bei sich tragen. Er fand den Gedanken merkwürdig, sie erst in Ehren zu halten, wenn sie gestorben sei und sie nichts mehr davon habe. Nun könne er ihr zumindest zeigen, wie sehr er an ihr hinge.

Während er auf der Ukulele spielt, muss sie an ihren Großvater denken, ein emigrierter Ägypter, der vor wenigen Monaten gestorben ist. Er staunte fortwährend über die umfangreiche Erziehung, die seine Enkelkinder genießen durften, darüber, wie viel sie bereits in ihrem Alter von der Welt wussten. Er selbst kannte als Kind keine Bücher, nur didaktische Anweisungen, mit Regeln, die er zu befolgen hatte.

Er hatte einen pfiffigen Blick, der sich aufhellte, wenn er seine Enkelin sah. Wenn sie lachte, sagte er immer: „Mein ganzes Glück ist es, dich genießen zu sehen.“

Mit großem Heimweh erinnerte er sich an seine Jugend in Kairo, als neben Muslimen auch viele Kopten und Juden zu seinen Freunden gehörten. Man schätzte sie damals sehr, erzählte er, weil sie belesen waren und gute Manieren hatten.

Die Entwicklungen in seinem Land behagten ihm nicht. Nach den großen Kriegen herrschte Optimismus, alles wurde besser.

„Aber die letzten fünfzehn Jahre haben uns wieder ganz und gar zurückgeworfen“, sagte er verbittert. „Jeder, der bei klarem Verstand ist, flieht aus meinem Land. Die Grenzen und die Horizonte schließen sich wieder. Über der ganzen Welt hängt dieselbe große Gewitterwolke.“

Das Mädchen mit dem goldenen Zopf nimmt einen großen Schluck vom Kräuterlikör und lässt sich vom Alkohol und der Musik einlullen. Als ein junger Mann auf sie zukommt, unterbricht ihr Gefährte seinen Gesang und begrüßt ihn. Der junge Mann gibt beiden einen Kuss auf die Wange. Sein Glasauge scheint sie stechend anzublicken. Ohne sich weiter bei ihr vorzustellen, fragt er, ob sie schon jemals eine Kirche bei Nacht besucht habe.

Sie schüttelt den Kopf und schaut zu ihrem Freund, der ungerührt auf seiner Ukulele zupft.

Der junge Mann lässt einen Schlüssel vor ihrer Nase baumeln. Seine Haltung zieht sie gleichzeitig an und stößt sie ab.

Sie fragt ihn, für welche Kirche der Schlüssel sei.

„Das wirst du dann sehen“, sagt er.

Weshalb er den Schlüssel besäße, fragt sie.

„Ich bin Organist“, antwortet er. „Gehen wir?“

Sie schaut wieder zu ihrem brasilianischen Freund, der aufsteht. Dem Jungen mit dem stechenden Auge würde sie nicht folgen, ihm aber schon. Warum vertraut sie ihm? Alles in allem ist er doch ein Fremder für sie. Bei anderen weiß sie, wen sie vor sich hat und wie sie sich ihm wie ein Chamäleon anpassen kann. Er ist jedoch so unvorhersehbar, dass sie selbst Farbe bekennen muss.

Wenige Minuten später stehen sie zu dritt in einer der größten Kirchen der Stadt. Eine Kirche, an der sie täglich vorbeigeht, die sie aber noch nie betreten hat. Sie schließt die Augen und lauscht auf die Stille, die jedes menschliche Geräusch übersteigt. Sie hört ihren eigenen Atem nicht mehr.

Spärliches Licht fällt durch die Glasfenster. Sie greift nach der Hand ihres Freundes und schreitet nach vorne, zwischen die Holzbänke, geradewegs auf den Altar zu. Der andere Junge folgt ihnen wie ein Schatten.

Der Altar besteht aus einem massiven Steinblock mit sparsam verzierten Seitenflächen. Das Mädchen mit dem goldenen Zopf drückt sich mit den Händen hoch und legt sich mit dem Rücken auf den Altar. Ihre goldenen Haare bilden eine Monstranz, ihr Gesicht eine heilige Hostie.

Sie weiß, was sie erwartet. Sie denkt nicht darüber nach, ob ihr Freund das so geplant hat, als er sich neben sie legt und seine Hand an ihrem Bein nach oben streicht. Sie denkt nicht darüber nach, wer der andere Junge ist, als er ihre weiße Bluse aufknöpft und gleichzeitig zart in ihren Hals beißt. Sie denkt überhaupt nichts, als ihr Körper von so viel Haut und Geräusch umschlossen wird, spürt die steinerne Fläche nicht mehr, hört die schlagende Stille nicht mehr. Sie weiß nur, dass sie voller Begierde sind, alle drei, dass sie unersättlich voneinander trinken wie vom Blute Jesu und dass sie nicht aufhören werden einander zu berühren, in einander einzudringen, bis sie den Teufel vertrieben haben, der in ihnen wütet, der Teufel, der sie zu dieser herrlichen Schändung anspornt, der sie dazu bringt, wie von Sinnen zu schreien und die Zähne zu entblößen, sodass sie diese Liebhaber beißen und zerreißen kann, die sie beißen und zerreißen.

Als die jungen Männer endlich schlafen, der eine mit dem Kopf auf ihrer Brust, der andere zur Seite gedreht, beobachtet sie, wie die aufgehende Sonne weich und langsam diesen sakralen Ort wieder umschmeichelt. Sie muss lächeln, wegen der Glut in ihrer Brust und ihrem Bauch, über das einfache Glück, das sie spürt. Es verstummt, als sie in der Ferne die Stimme eines alten Mannes erkennt. Ihr Großvater ist schon seit drei Monaten tot und sie weiß nicht, was sie mit dem Übermaß an Glück anfangen soll.

 


Auf einer Mauer bei einer Kirche entblößen drei alte Männer lachend beim Würfeln ihre künstlichen Zähne. Über ihnen, am Kirchturm, hängen schon die Käfige für die, denen es in den Sinn kommen könnte, einen militärischen Schlag auszuführen.

Als der Mann mit dem Spazierstock in der Ferne einen grauen Rauchschleier auf die Stadt zuwehen sieht, steht er auf und stellt seine tägliche Frage.

„Wie lange noch?“, fragt er.

Niemand schüttelt heute den Kopf. Sie kennen den starrsinnigen Boden nur allzu gut. Die Welt ist unruhig. Die Menschen wollen zu einem Stamm, einem Volk, einer Rasse gehören. Sie wollen Recht bekommen und gewinnen, andere in die Knie zwingen.

„Wie lange noch?“, flüstern die alten Männer im Chor. Sie stützen sich auf den Rollator, gehen in die Knie, legen die Ohren auf die vielen Schichten der Pflastersteine, Katzenköpfe, die von ihren Vorvätern gelegt worden sind. Sie hören den Hufschlag der jahrelangen Friedensverhandlungen, schütteln den Kopf und sagen: „Nicht mehr lange.“

 

 

 

Aus dem Niederländischen von Stefan Wieczorek

 

Stefan Wieczorek (geb. 1971 in Koblenz) ist promovierter Literaturwissenschaftler, Redakteur und Übersetzer. Er studierte Germanistik, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Soziologie, lehrte und forschte an der RWTH Aachen; Publikationen und Herausgaben zur Literatur des 20. Jahrhunderts und zur Gegenwartsliteratur sowie zahlreiche Übersetzungen aus dem Niederländischen.

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In Spring 2017, students of Dutch from University of Sheffield, University of Nottingham and University College Londen together with the author and under the supervision of literary translator Jonathan Reeder, worked together to translate Carmien Michels's citybook on Münster into English, during the UK Collaborative Translation Project 2017.

 

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On every street corner, you come across a church - one for every war the city has endured throughout the centuries. The children here don’t play hopscotch on a traditional grid of numbers. No. In this city they play hopscotch on a grid of warfare. Outbreak, siege, destruction, surrender or victory, and finally peace and restoration. The little lights in the soles of their trainers light up with every hop.

Beneath their feet city lies upon city. Houses and streets that were buried in so much debris and rubble during periods of war that it was pointless to try to clean them up. To clear away all the remnants of the past and to build homes on unscathed land would take years, years of patience that the inhabitants had long used up.

So with every victory the residents diligently lay new streets atop the old, using the skulls of the enemy as their cobblestones. They did the same thing in defeat as in domination, this time with the skulls of their loved ones, their diligence exchanged for humility. The blood of their tortured leaders, hung in cages from the church towers, dripped onto the bone-white cobbles to serve as a warning to whoever dared think about seizing power.

Yet there was always someone foolish enough to try.

By the hand of every enemy the city gained a new layer, as if a hissing volcano was consuming the willpower and youth of the city, bit by bit. Each citizen tenaciously confronted this fiery god, who was not their god, convinced that he would burn out if they erected enough churches.

One day it finally happened. During a war that obliterated everything, the volcano bled so much that it withdrew into a deep sleep. Those who survived crawled out of their shelters and rolled up their sleeves for a thorough rebuilding of the city. They were masters of mourning. They mixed the ashes of the dead with holy water and paved their roads. From church to church. Every place of worship served as penance for the past. And then there was peace.

In the churches, the faithful humbly cross themselves, casting away cruel thoughts, they kneel down to pray, lighting candles for the dear departed. Year in, year out.

Where do cruel thoughts go? Not to the gardens where green fingers tend to pumpkins and prune roses. Nor to the parks where the locals stroll, jog, play fetch with their dogs and push their children in prams. Not to the classrooms where students stare out through the open windows, daydreaming about their rosy futures. Nor to the pubs where young and old come together, toasting life during happy hour. Since the last war, the locals have wrapped themselves up with reverent thoughts, lust for life and peace.

And yet something is still slumbering. Under the city the volcano is sleeping off the blood from his last meal. Now and then, he sighs in his sleep, a tremor reaching the dreams of more and more souls. His hot breath singes the hairs on the back of their necks. Eyes firmly shut, they don their armour, preparing for battle. Yet, before first light, they’re searching for their beds again, half-asleep, suckling on the shoulders of their loved ones; stray mouths of infants in search of their mother’s breast.

If the clocks of the churches aren’t chiming, then it’s raining. All the cruel thoughts drain with the rainwater into the sewers, dripping down onto the remains of the former city, seeping into the old sewers. In the rising heat they roll like marbles from ghost town to ghost town, until they reach the bowels of the city, clattering on centuries-old skulls like clumps of ice, making dents and cavities and finally grinding to a halt in the voice-boxes of old warriors.

Lustful looks? Frugal fingers? Vain lips? Envious women? Gluttonous men? Idle toads? Raging torches? You won’t find them here. If you come across a drunk in the bars, it’s usually a tourist or a student from somewhere else. Those born here stay in line. Those born here know the ropes. They wouldn’t hurt a fly, they follow the rules of the road, enjoy weekends by the water in the fresh air, keep their dog on the lead, do charity work and are members of at least one brass band.

On Saturdays, the brass bands set off through the city or round the promenade which forms a cycle path encircling the city. Their drums are tightened with skins flecked so white and grey that their makers do not appear to have skinned an animal, but rather the moon itself. They march along to the rhythm of the tide, using the music to drive out the wars that still clatter in their ears.

The long parades make the tourists smile, take photos and lick their ice creams. The accompanying idyllic chimes of all the bells inspire kissing. People who know history make the sign of a cross. In the name of the Father, the Son and the Holy Spirit. Amen. Tap on the head, tap on the chest, left shoulder, right shoulder. People need a salute to feel connected with one another and with something higher.

The tourists’ eyes see people, but only devout, happy people. They see parents playing badminton with their children on the sports fields or practising their balance on a slackline tied between the trees. The tourist’s eyes see exercise as exercise. Sport as sport. Faith as faith. Their gaze searches for objects and experiences different to those at home, thereby forming a bridge between here and there, between the sacred outside world and the private world within. Their gaze searches for confirmation of their own existence.

The numerous portraits in the council chamber at the city hall have an entirely different look in their eyes; ministers who enforced peace by kneeling together for compromise. They see townspeople readying themselves for unknown danger, searching for a balance between the everyday banality and something in the darkness breathing down their neck. Something which they cannot name. Something which they can only fend off with a badminton racket, a sign of the cross, or a baseball bat. People who do not succeed marry a foreigner and leave, making room for new blood.

Every year twinned towns bring in tons of students. Intellectual cannon fodder for later. They lie carefree on the grass in shorts or bikinis, holding their textbooks above their heads to protect themselves from the sun. When they look away, the definitions and graphs, rather than black flecks, are burned into their retinas. Crows and rabbits hop between their colourful towels and picnic blankets. Everything here appears peaceful and still.

 


On a wall next to a church sit three old men, the walking frame in front of them serving as a table. At first glance they seem to be playing cards, however on closer inspection you see that they’re not holding jacks, queens and kings in their hands, but photos from the past. Sepia postcards with posing soldiers interspersed with faded family photos. On the back there are messages of love and ‘Mit herzlichen Grüßen’.

What game are they playing? They discuss every card that is dealt. Another memory is laid to rest. They do not raise their voices, knowing that they need to save their breath for the night. When the game is finished, one of the men taps his walking stick on the cobbles. His neighbour takes a swig from a hip flask.

“How much longer?” says the man with the walking stick.

The third man shakes his head and deals the cards again. The trio play on until the sun sets low between the rows of townhouses on the square. At no point do they allow their rhythm to be dictated by the street musicians further up, who are playing secular music under the colonnades.

An accordion and a Stroh violin. Every day they entertain each other with one song after the other. They do not need to roam the streets for tips from tourists. Even as they chatter and laugh amongst themselves, the coins in their hats jingle.

The accordionist leans back against the oldest house on the square, an authentic façade with uneven stones. For years, it housed the three old men’s local pub, Café Kleimann, but for a few months the doors and shutters have been closed. Inheritance disputes, the cobblestones whisper.

The adjacent buildings imitate the sand-coloured façade, but they are too perfect, too straight. Those who rebuilt these houses after the previous bombardments followed the cadence of the political leader, whose voice on the radio would forever resound in their ears.

The houses on the square belong to the same families as all the other stately homes in the city centre. Families who trade real estate exclusively among themselves. A select circle of citizens who are born here, study, marry, work, inherit fortunes, purchase art, organise classical concerts in the castle, clap politely and are buried in the family grave.

Only those born in the centre and whose parents and grandparents were also born here, belong to this city. All of the others remain forever foreigners. Tenants are easily replaceable , outsiders who do not understand why they cannot sleep in this city, unaware, dreaming with eyes wide open about bands marching through the streets, the drums thrumming with the skin of the moon, their blood sloshing in their ears as if they themselves are subjected to the tides. As these innocents get up in the morning, covered in sweat, they throw their fear into the washing basket and exchange it for clean clothes. They tie their shoelaces without thinking.

One day, when they notice that their hands no longer know how to tie a knot, they join one of the city’s many choirs or bands. As long as they make music themselves, they sleep effortlessly through the pounding in the night.

There are girls and boys who lack musical talent. Those whose parents previously sung to them every evening because they were unable to overcome the insomnia themselves. When they woke up in the middle of the night, they crawled in between their parents, whose snoring resonated in their chests and calmed them. These youngsters now go to concerts, dance until their legs hang like dead weights from their hips, and keep each other awake through rhythmic panting and sleep spooning each other, whilst an old record from their parents’ youth plays. It gave them the feeling that they already lived before they had even been born.

 


One of the insomniacs is a twenty-one-year-old student. One day she dyed her long black hair gold, which she wears in a braid next to her right ear. It falls in front of her shoulder one day, behind the next. It covers a tattoo consisting of three numbers: 16.9.88. It is not her date of birth, as she is too young for that. It is the date her parents met each other, the day on which her fate was decided, the day on which her existence depended. The days that followed do not matter. In that time, her parents drifted further apart. She already existed before she accidentally became an embryo. That is what counts. She has one more tattoo, a number thirteen on the big toe of her right foot. While she was staying in Amsterdam, she walked into a tattoo studio without knowing what she wanted, and that day was Friday the 13th.

“Don’t look so disappointed,” she says to anyone who asks for an explanation. “It’s my body.”

Her body can’t coax itself to sleep, at least not at night. When she does sleep, it’s between eight and ten in the morning. Afterwards she rolls out of bed and does yoga in the park.

Everyone has twenty-four hours a day to divide between bed, bathroom, kitchen, desk, living room and the outside world. What if your lost hours of sleep pile up as overtime, to be caught up on in the distant future?

What if she can’t lie in the arms of a stranger, listen to his breathing becoming calmer, turning into a soft hum so that she can slip away? What if she can’t dance in a student house till the break of dawn? What if she can’t comb the bars of the old town in search of meaningful conversations? Then she has to study. The work waits on her desk, drumming its fingers impatiently whenever she comes home with red-wine-stained teeth. She can’t put it off any longer. The only thing that can still distract her is the news streaming into her room from the other side of the world. Where everyone is awake.

Her parents taught her many languages so that she can keep up with what’s happening in the world, across which her family is scattered like freckles. Each time an attack takes place, she marks the location on the map above her desk with a red cross. Some countries bear so many crosses that the name of the capital is no longer legible, submerged in a sea of red. All in all things aren’t so bad in the part of the world where she lives. The frequency of attacks increases, but there are still enough undamaged places left. Some people are scared for a while but then live on with more enthusiasm and vitality. Some people daydream of thwarting attacks and walk around grinning and proud in anticipation of their impending heroism. Others throw Molotov cocktails at refugee centres. That happens in other cities. In this city, zest for life comes first.

Every night she peruses the news pages. Not a day goes by without conflict. Some days give hope, others looks bleak. Everywhere and anywhere you look, there’s bad news. Front page news which shocks the people around her comes in bursts.

Around seven in the morning she tires and begins to study. An hour of productivity follows until the smell of bacon wafts up the stairs, seeps under her door and reaches her nose. Her housemate is awake. Together they eat bacon and eggs. Her housemate leaves for work and she goes for her morning sleep. Then the day awaits her.

She feasts upon love stories all day long. The night drags itself out as long as there are people to listen to.

“All good love songs originate from self-pity,” says the girl from Philadelphia during a pizza night at their apartment. She is touring Europe and staying with the girl with the golden braid and her housemate for a few days. According to her, the only cure for heartbreak is to listen to music and wallow in self-pity. The three others present nod, but not the girl with the golden braid.

“That’s unnecessary isn’t it?” she says. “Once the relationship’s over, just tell them to fuck off.”

The boy to her right cocks his head. With his delicate body, his almost translucent skin and his bright green eyes, he has an androgynous appearance. He is wearing a gold-fringed red jacket that looks like it’s been plucked out of a circus monkey’s wardrobe.

“So you’ve never been in love?” he asks.

“Sure I have.” Says the girl with the golden braid. “When I was fifteen. That’s when I decided that nobody was worth having such intense feelings for.”

The American’s eyes widen.

“It’s not like she’s a nun,” interrupts her housemate. “She has flings all over the world.”

“Women and transsexuals too?” asks the androgynous boy.

“Men between twenty and forty-four,” says the girl with the golden braid. “With various personalities and sexual preferences.”

“And you never fell in love again?” asks the American. “I can’t sleep with anyone that I don’t have feelings for. And then in bed I go all weak.”

“That’s just not me,” says the girl with the golden braid. “I go for men that I feel a connection with, but I don’t let myself become tied to them. The arrangements are clear: We’re free and non-exclusive, no restrictions and no obligations. When I’m nearby, I’ll stay with them. If they start acting up, I cut them loose.”

“How many partners do you have at the same time?” asks the American.

“Right now?” she pauses for a moment, “Four and a half.”

“Half a man?” laughs the androgynous boy.

“I’m just not sure where we stand at the moment. I’ve got another date with him soon.”

“Nice,” says the housemate whilst collecting the empty plates.

“Maybe you don’t fall in love because you’re already in love with yourself,” says the androgynous boy.

She stares at him until he looks away.

“I’m just too rational,” she says. “I can see a man’s qualities, but I can always see his flaws too. Even if someone is close to perfection, all I can see are their imperfections.”

“Love isn’t about perfection at all,” says a boy who had until then been silently sitting on a mattress; his back leant against a bookcase containing classics from the likes of Goethe and Thomas Mann. On top of the bookcase, a copper bust of Beethoven surveys the students.

“I’m attracted to men and women who are far from perfect, but that have something unusual,” the boy continues. “Something that clashes, making sparks fly. Passion and flesh will do the rest.”

The girl with the golden braid nods. To her, imperfection seems a good starting point for love.

“My bedpartners are far from perfect,” she says. “But they don’t make my heart beat faster, they just come in handy to me.”

“You just haven’t found the right person yet,” says the American.

“Or you don’t know what you like,” says the androgynous boy. “Who knows, maybe you like freaks. People with cheeks full of piercings. Or necrophiliacs.”

“Yeah, that's likely,” says the girl with the golden braid ironically.

“Or people without arms or legs: nuggets!” says the American, and she begins to laugh uncontrollably. She knows rather a lot of jokes about nuggets.

“Appearance doesn’t matter to me,” says the girl with the golden braid. “I would even sleep with a nugget if he had deep and meaningful things to say. That might even be easier.”

“Excuse me!” exclaims the androgynous boy. “Do you mean sexually? As in kinky positions?”

“I hadn't thought of it like that. Maybe. What I mean is that they’re closer to their core.”

The androgynous boy bursts out laughing.

“Yeah, literally!”

“No, but seriously! I think they’ve stared death in the face, meaning they can experience life and love more fully. Eros and Thanatos.”

“Cliché,” says the housemate, as she grabs a bottle of rosé and disappears back into the kitchen.

“Clichés are clichés because they’re often true,” says the girl with the golden braid. “I think I’d find it easier to fall in love during wartime. You constantly have to be on red-alert. React to your instincts. You don’t have time to be rational because everything around you is hanging by a thread.”

The American nods.

“Everything’s more exciting when you know a bomb could hit at any moment,” she says.

“Oh stop it,” says the androgynous guy. “You make it sound as if attacks are romantic. It’s horrible to think that any nutcase can order weapons online and knock up a bomb using a tutorial.”

The housemate comes in with chocolate pancakes.

“You know what it is?” says the girl with the golden braid while mopping up her plate with a pancake. “Imitation behaviour.”

“What?” asks the housemate.

“The whole of mankind constantly demonstrates imitation behaviour.

Tasty pancakes, by the way.”

With a finger she wipes traces of chocolate from the corners of her mouth.

“When Robin Williams committed suicide, the number of suicides exploded worldwide. Not long after that, two of my mother’s friends also killed themselves. Maybe they’d been planning it for a long time, maybe not. His death pushed them over the edge.”

“I didn’t know that,” says the androgynous guy somberly.

“All of these attacks nowadays,” she adds. “First, the criminals inspired by ISIS. Then they inspire other people. Loners. Nutcases. Or maybe just normal people having a weak moment? Maybe they’d been planning it for a long time, maybe not. Timing is everything. Their wife has just left them, a colleague said something careless. Either way, the circumstances make them vulnerable. They take action, encouraged by what they hear in the media.”

The doorbell rings.

The girl with the golden braid tugs on her shoes and springs up.

“Ciao,” she says to the others and bows deeply. “It was an honour to converse with you all.”

As she walks down the stairs, her housemate makes sexual noises at her. Before she opens the front door, she puts on some red lipstick.

“Oi querido,” she says to the young man in front of her. He switches his ukulele to his left hand, takes hold of her wrist and kisses her fingers. She likes to surround herself with well-spoken men, but rather this guy intrigues her because he’s so quiet. They wander through the lively student area, stopping at her favourite restaurant to pick up a bottle of Ramazzotti and carry on walking until they reach somewhere quiet.

Once there, he starts to sing as he strums on his ukulele while she sips the liqueur. She’d met him in a hotel where she had worked as a receptionist for a few weeks. He was no ordinary bartender. He entertained the hotel guests by juggling bottles, shakers, glasses and limes. Every evening a group of eager onlookers swarmed together and ordered one cocktail after the other so that they could keep enjoying his talent. Sometimes she could hear their cheering all the way in reception.

He would hurry outside as soon as he was finished with his show. He would always say goodbye to her but he never managed to look her in the eye. She found it endearing that someone who spent the whole evening in the limelight could be so shy.

On her last evening, she approached him. Asked if he would like to hang around a bit longer, as her shift was almost over. They walked to a bench by the river which flowed through the city, where they talked for a long time. Or rather, she talked. He listened and sang Brazilian songs for her. Around 4 o’clock, he took her to his car where they made love on the backseat.

Since that evening they’d met up with each other a few times, but never went further than a kiss on the hand or cheek. Neither of them had given any indication of wanting to draw the line there, nor had they gone to any great lengths to explore beyond it.

She observes how a street lamp illuminates the right side of his body. The flourishes of a woman’s name tattooed across his chest peep out from underneath his tank top. Claudia Maria. During their first night together she asked him who she was. His mother, he answered. She asked in a whisper whether she was still alive. He nodded. His mother had carried him for nine months, so in return he wanted to carry her with him for the rest of his life. He found the idea of honouring her after her death - when she wouldn’t even be able to enjoy it for herself - a strange one. At least now he could show her how much she meant to him.

While he plays his ukulele, she can’t help thinking about her grandfather, an Egyptian émigré who passed away a few months ago. He always marvelled at the richness of his grandchildren’s upbringing, and at how worldly they were at such a young age. The only books he’d ever had as a child were educational texts and rules to follow.

He had a sharp, witty look that would brighten up when he saw his granddaughter. Whenever she laughed, he would say the same thing: “It makes me happy to see you enjoy yourself.”

He would look back on his younger years in Cairo with great longing, when he was friends not only with Muslims, but also with Copts and Jews. They were truly valued then, he’d say, because they were so well-read and had good manners.

The developments in his country left a bad taste in his mouth. After the great wars came a fresh spring breeze of optimism and the feeling that everything was going to get better.

“But in the past fifteen years we’ve gone back to square one,” he said bitterly. “Anyone who had any common sense packed it up in a suitcase, stuffed it into their socks, and fled the country. Borders are closing again, and so are people’s minds. A big black cloud is looming over the world.”

The girl with the golden braid takes a large gulp of herb liqueur and surrenders herself to the alcohol and music filling her head. When a young man approaches them, her companion interrupts his singing to greet him. The young man gives them each a kiss on the cheek. His glass eye appears to be looking piercingly at her. Without further introduction, he asks if she’s ever visited a church at night.

She shakes her head and casts a glance at her friend, who continues strumming his ukulele undisturbed.

The young man dangles a key in front of her nose. Something about his stance both excites and unsettles her.

She asks him which church the key is for.

“You’ll see,” he says.

She asks him why he has it.

“I’m an organist,” he replies. “Shall we?”

She glances again at her Brazilian friend, who gets up. She wouldn’t follow the boy with the piercing eye, but him she would. Why does she trust him? After all, he is a stranger to her. With other people, she knows who she is dealing with and how to blend in with them, like a chameleon. But he is so inscrutable that she’s the one who has to follow suit.

A few minutes later the three of them are standing in one of the largest churches in the city, a church she’s passed every day but has never visited. She closes her eyes and listens to the silence, which drowns out any mortal sound. She can’t even hear herself breathing anymore.

Faint light filters through the stained-glass windows. She grips her friend’s hand and walks forward between the wooden pews, right up to the altar. The other boy follows them like a shadow. The altar is a massive stone block with modestly decorated sides. The girl with the golden braid pushes herself up and lays on her back on the altar. Her golden hair forms a monstrance, her face the sacred host.

She knows what awaits her. She doesn’t question whether her friend has planned this, as he lies down next to her and starts to move his hand up her leg. She doesn’t question who the other boy is, as he unbuttons her white blouse whilst softly biting her neck. She doesn’t question it at all as her body is enveloped in so much skin and sound that she no longer feels the stone surface, no longer hears the deafening silence. All she knows is that all three of them are greedy, gulping gluttonously from one another as though from the blood of Christ, and that they won’t stop touching and pushing their way inside one another until they drive out the devil that rages within them, the devil that has led them to this delicious sacrilege, that urges her to scream wildly and bare her teeth so she can bite and tear at the lovers biting and tearing at her.

Once the boys eventually fall asleep, one with his head on her breast, the other turned away, she watches as the rising sun slowly and softly bathes the sacred place in light once again. She can’t help but smile at the warm glow in her belly and breast, the simple happiness she feels. It abates as she recognises the sound of an old man’s voice in the distance. Her grandfather died three months ago and she doesn’t know how to cope with so much happiness.

 


On a small wall by a church, three old men shoot dice and laugh, showing their dentures. Above them on the church tower, cages hang ready for those who envisaged staging a military coup.

As the man with the walking stick sees a grey plume of smoke in the distance, drawing closer to the city, he stands up and asks his daily question.

“How much longer?” he asks.

This time no one shakes their head. They know the stubborn soil all too well. The world is restless. People want to belong to a tribe, a nation, a race. They want to be vindicated, to be victorious, to force others to their knees.

“How much longer?” the old men whisper in unison. They lean on the walker, moving slowly, what with their fragile knees, put their ears to the ground and listen to the many layers of cobblestones, little skulls that had been laid down by their forefathers. They hear the galloping of years-long peace negotiations, shake their heads, and say: “Not long now.”

 

 


 

Translation: UK Collaborative Translation Project 2017

This citybook was translated by students of Dutch from the University of Sheffield, University of Nottingham en University College Londen under the supervision of literary translator Jonathan Reeder together with Ann Claeys (Nottingham), Jane Fenoulhet (UCL), Jenny Watson (Sheffield). The Dutch Translation Project 2017 was coordinated by Henriëtte Louwerse (University of Sheffield).

 

Translators:
Sophie Aitken, Lauren Allum, Georgina Battey, Theo Birch, Lucy Bullman, Lauren Burn, Zofia De Rooij, Harsimran Dhillon, Katherine Fortson, Symone Garvey, Abigail Green, Alice Greenway-Jones, Lee Hammond, Emily Heath, Cian Hurley, Megan Jones, Sebastian Lloyd, Ellen Long, Amée Marks, Katie Matthews, Alex Mills, Lucy Mitchell, Anna Opara, Jessica Piercy, Dorothy Roberts, Toby Sherwin, Hannah Spencer, Ana Tralhao Dolan, Elenja Vogel, Elizabeth Walmsley, Matthew Wil.

Final edit by Georgina Battey, Ameé Marks, Jonathan Reeder, Elizabeth Walmsley.


The translation project was part of the guest author program of the Taalunie (Dutch Language Union) and was kindly supported the Flemish Literature Fund, Flemish-Dutch House deBuren and Flanders House, the representation of the Government of Flanders in the UK.

 

Read more and watch the video about the translation project (in Dutch)