Ghent – a European Panorama. Henri van de Velde, Edmond Sacré, Henri Pirenne

Gent - ein europäisches Panorama: Henri van de Velde, Edmond Sacré, Henri Pirenne

Karl Schlögel

Karl Schlögel

Karl Schlögel (Germany, 1948) studied philosophy, sociology, Slavonic studies and history, worked as a journalist and translator, and taught at a number of international universities. From 1995 to 2013 he was professor of Eastern European History at the European University Viadrina in Frankfurt (Oder). He wrote several books, such as Moskau lesen (1984), Berlin, Ostbahnhof Europas (1998), Terror und Traum: Moskau 1937 (2008), Grenzland Europa. Unterwegs auf einem neuen Kontinent (2013) and Archäologie des Kommunismus oder Russland im 20. Jahrhundert (2014). As the titles of his publications suggest, Schlögel is a specialist on Eastern European cultural history, in particular on Russia and the Soviet Union. Recurring themes in his work include the history of cities and urban building in Eastern Europe, forced migration within Europe and the theoretical challenges of historiography. He has received many prizes and his work has been translated into several languages.

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Gent - ein europäisches Panorama: Henri van de Velde, Edmond Sacré, Henri Pirenne


Dass Gent eine alte, sehenswerte, bedeutende Stadt war, das wusste ich seit langem. Ich war dort schon als Student, der von Süddeutschland aus eine Fahrradtour den Rhein entlang bis zur Mündung gemacht und dabei nach Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen auch Brügge und Gent besucht hatte. In Erinnerung geblieben waren die Beginenhöfe, die Kanäle, die Weiden, deren Zweige die Wasseroberfläche berührten, die rostrote Farbe der Ziegel. Irgendwie hatte sich auch eine Erinnerung an geräumige Plätze, prächtige Renaissancefassaden, gotische Rathäuser und Kirchen erhalten. Natürlich hatte sich, seither vieles geändert, wie in anderen Städten auch: der Verkehr, von dem die Innenstädte überwältigt worden waren, schien mittlerweile zurückgedrängt, die Passanten schienen wieder die Oberhand bekommen zu haben; in den Straßen war es eng geworden, so viele Passanten waren unterwegs, um ihrer Lieblingsbeschäftigung des shopping nachzugehen; Gruppen von Touristen bahnten sich ihren Weg zu den Sehenswürdigkeiten; es gab jetzt kaum noch Sprachen, die nicht zu hören waren; in der Einkaufsgegend hatten die internationalen Labels die nationalen oder gar lokalen in den Hintergrund gedrängt. Ja, der Farbton der Städte hatte sich geändert: noch in den 1960er und 1970er Jahren waren die Städte grau, von Alter und Ruß, manchmal auch noch von Kriegsschäden gezeichnet, nun aber leuchteten sie, wahrscheinlich in reinerer Farbe als zum Zeitpunkt, in dem die Gebäude errichtet worden waren: ziegelrot, in warmem Ockergelb, oder weiß und glatt verputzt.

Als ich diesmal ankam auf der Station Gent-Sint-Pieters und mit der Tram ins Zentrum fuhr, war der erste Eindruck: Gent ist geworden wie andere Städte auch, mit Hotels und Kaufhäusern der bekannten internationalen Ketten, den Reklamen und Logos, die es auch anderswo gibt, nun alles viel wohlhabender, reicher, prächtiger, eine Gegenwart versehen mit dem Glanz einer auf den ersten Blick niemals zerstörten und über die Jahrhunderte hinweg unversehrt gebliebenen Stadt. Wo gab es nachts so märchenhaft illuminierte Uferpromenaden und Fassadenfronten wie die zwischen St. Michaelsbrücke und Gravenstein, wo jedes Haus seine sorgfältig gearbeitete Fassade der Leie zuwandte! Wo gab es eine solche Konzentration und Verdichtung von so vielen verschiedenen Baustilen auf engstem Raum! Wo konnte man die Verschmelzung der Epochen so anschaulich studieren wie bei einem Gang über Sint-Baafsplein oder den Vrijdagsmarkt! Und war in der Trias der Türme von Sint-Niklaas, Belfried und Sint-Baafs nicht die Kühnheit der Wolkenkratzer von Manhattan schon vorweggenommen! Der ganze städtische Raum ein Interieur, an dem Generationen gearbeitet hatten, Quadratmeter für Quadratmeter, Zentimeter für Zentimeter, die Verkörperung des Könnens und des Fleißes von Baumeistern, Maurern, Zimmerleuten, Steinschnitzern – und Berufen, deren Bezeichnungen wir nicht einmal mehr kennen. Gent – ein Gesamtkunstwerk, über Jahrhunderte hinweg errichtet, immer wieder unterbrochen, weitergebaut, verfeinert, geschliffen wie ein Juwel.


Henri van de Veldes Moderne
Aber dann gibt es doch Überraschungen, auf die auch erfahrende Städtereisende nicht gefasst sind, und Schocks, die einen auf ganz neue Gedanken bringen und einen Perspektivwechsel auf die Stadt nach sich ziehen. Es war mir nicht bekannt, dass Henri van de Velde, einer der bedeutendsten und elegantesten europäischen Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts in Gent gebaut hatte, noch dazu ein herausragendes, die Stadt überragendes Gebäude: den Bücherturm der Universität. Henri van de Velde ist uns geläufig als der Architekt des Nietzsche-Archivs in Weimar, als Freund des Mäzens Harry Graf Kesslers, als der Autor der Villa Esche in Chemnitz und luxuriöser Wohnsitze in Brüssel, als einer derjenigen, die mit ihrer einfachen und klaren Linie in die übermöblierte und eklektizistische Welt der späten Gründerzeit hineinfuhren und einen neuen Stil ankündigten, für den auch der Jugendstil nur ein Durchgangsstadium zum Funktionalismus und Rationalismus des 20. Jahrhunderts war, in dem Schönheit des Materials und Zweckbestimmung selbst hervortraten und stilbestimmend wurden. Henri van de Velde war ein Formenpionier des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der weit ins 20. Jahrhundert hineinweist, in einer Reihe mit Adolf Loos, Peter Behrens, Bruno Taut, Fjodor Schechtel.

Nun also stellte sich heraus, dass er nicht nur ein Meister der „kleinen Form“, der intimen Wohnräume, der durchkomponierten Interieurs und liebevollen Details war, sondern ein Baumeister, der sich an einen Wolkenkratzer amerikanischen Stils herangewagt hatte! Ich sah das Gebäude zum ersten Mal als Modell im Stadtmuseum Gent. Dort stand es in einem abgeteilten Raum, ganz in Weiß, einen 64 Meter hohen Turm mit 24 Etagen vorstellend, aufragend über einem weit ausholenden zweistöckigen, um einen Innenhof herum gebauten Trakt, in dem Empfang, Verwaltung, vor allem aber die Lesesäle untergebracht waren. Das Modell in seiner lakonischen Linienführung entsprach fast einer Architekturzeichnung, wie man sie aus den Katalogen des Bauhauses kannte. Aber es war eben keine Architekturzeichnung, sondern das Abbild eines wirklich ausgeführten Baus. Man musste nur hinausgehen in die Stadt. Der Bücherturm ist von vielen Punkten in der Stadt zu sehen, nicht nur aufgrund seiner Höhe, sondern weil er auf der höchsten Anhöhe des Stadtgebietes errichtet worden ist, auf dem Blandijn-Berg, einem traditionellen Arbeiterviertel, in dem heute viele Studenten und Immigranten leben. Wenn man von der Leie herkommend den Berg hinaufsteigt, an den Universitätsgebäuden vorbei, sieht man, dass der Bücherturm gleichsam auf einem waagrechten flachen Plateau aufruht, das an der Längsseite mit waagrechten Fensterbändern und an der Seitenfront mit einem für das Bauhaus typischen halbrunden Treppenhaus versehen ist. Büchertürme waren für die Zeit, in der van de Velde den Auftrag erteilt bekam – 1933 –, durchaus noch nicht selbstverständlich. Zu groß schienen die Probleme des Büchertransport, der Lagerung und der Sicherung gegen Feuer und Wasser. Bei einer Führung heute kann man in den Kellergewölben die 180 Stahlträger sehen, auf denen der ganze Bau ruht. Ein nach dem Krieg aus den USA importierter Bücherlift ist mittlerweile aufgrund von Sicherheitsproblemen außer Betrieb gesetzt. Der einzige Personenlift, der die 24 Stockwerke miteinander verbindet, reichte kaum aus, um die Anforderungen eines effizienten Bibliotheksbetriebs zu erfüllen. Die über drei Millionen Bände der Universitätsbibliothek sind derzeit in Ausweichdepots untergebracht, aber unter dem Haupttrakt sind bereits neue Depots in mehreren Etagen und nach allerneuesten Sicherheitsstandards gebaut worden. Und trotz der Einwände, die schon in der Bauzeit zwischen 1935 und 1940 wegen der offensichtlichen technischen und logistischen Probleme erhoben wurden, handelt es sich um einen sensationellen Bau, der der Stadt der drei Türme einen vierten hinzufügt, der der Genter Skyline eine neue Vertikale hinzugefügt hat.

Es ist wahr, dass in den letzten Jahren der Zustand des Gebäudes – die zersplitterten Scheiben in den drei von unten nach oben durchlaufenden Fensterschlitzen und die wohl durch mangelhaftes Material und Verwitterung erzeugten Unebenheiten der Gebäudeoberfläche – den monumentalen Eindruck mindern, aber es ist nicht schwer sich auszumalen, wie der Bau wieder zur Geltung kommen wird, wenn die überaus kostspielige Renovierung – man schätzt sie auf bis zu 70 Millionen Euro - abgeschlossen sein wird. Die glatte Gebäudeoberfläche, ganz in einem vornehmen Grau, mit den wiederhergestellten Fensterbändern und dem mehrstöckigen gläsernen Belvedere auf der Spitze des Turms – all das zusammen wird den Bücherturm zu einer architektonischen und städtebaulichen Attraktion machen, die das Bild Gents bereichern, vielleicht auch neu akzentuieren wird: Gent, nicht nur als eine Metropole des Mittelalters, nicht nur als ein Zentrum des Goldenen Zeitalters des flämischen Bürgertums, sondern als eine Stadt, die ihren Platz im 20. Jahrhundert neu definiert hat. Am Belvedere und an den schon renovierten Funktionsräumen – die Lobby, die Flure, die Verwaltung und die Lesesäle – kann man schon jetzt ablesen, was van de Velde im Sinn hatte: einen bis ins letzte Detail durchkomponierten Raum, in dem die Zweckmäßigkeit einer großen Bibliothek zusammenstimmen muss mit ästhetischen Ansprüchen, und wo handwerkliche Solidität eins werden mit dem Raffinement der Form. Der Bau ist durchsichtig – mit viel Glas im Gebäude wie nach draußen und zum Innenhof -, fast überall gibt es Oberlicht, die Flure sind hell, Türen und Türrahmen sind in einheitlichem Ton – Eiche – gehalten. Fensterrahmen, Türen, Treppengeländer sind im Ton der Zeit des Art Deco – schwarzlackierte Eisen- oder Chromleisten – gehalten. Ein besonderer Clou ist der Belvedere, eine Art sky desk, wie man es vom Rockefeller Center oder den eingestürzten Türmen des World Trade Center kennt, eine geräumige, über zwei Stockwerke gehende Halle mit Fenstern und Balkonen nach allen vier Seiten, von wo sich ein prächtiger Blick über die Stadt- und Flusslandschaft Gents öffnet. Dass der Raum gedacht war als Ort für akademische Geselligkeit, für gelehrte Vorträge ebenso wie für kultivierte Zerstreuung, kann man wiederum an der gediegenen Ausstattung – tropische Hölzer, Treppenaufgang in schwarzem Marmor, Chromgeländer – sehen, aber auch an einem riesigen Billardtisch, von dem niemand heute mehr sagen kann, wie er über die engen Treppen oder den Lift hierher geschafft werden konnte. Im Zweiten Weltkrieg diente der höchste Punkt über der Stadt als Beobachtungsturm der Deutschen, blieb offenbar aber vom Kriegsgeschehen fast unberührt. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn nach vollendeter Renovierung der Belvedere für das allgemeine touristische Publikum freigegeben würde – es würde in jedem Fall eine bedeutende Einnahme für das Budget der Universität.

Der Stadtteil, über dem sich der Bücherturm erhebt, hat noch andere Gebäude, die auf eine historische Schicht verweisen, die man gewöhnlich nicht mit dem – von Mittelalter und Renaissance geprägten - Image von Gent zusammenbringt: das ist der Neue Zirkus, dessen Zeltdach man aus der Ferne gut erkennen kann, ein Redaktionsgebäude mit einem gläsernen Vorbau aus den 1920er Jahren, das mit einem in die Straße hineinragenden gläsernen Vorbau die 1920er Jahre Moderne evoziert, aber auch das Vorwärts-Volkshaus mit seinen Theater- und Restauranträumen, das noch vor dem Ersten Weltkrieg eröffnet worden ist (weiter entfernt und sehr sehenswert für die 1920er Jahre Moderne ist auch das Art Deco-Hallenschwimmbad van Eyck am Veermanplein).


Gent als Ikone: Edmond Sacrés Bild von 1913
Von Edmond Sacré, dem Porträtisten und Dokumentaristen der Stadt Gent zwischen den 1870er Jahren und 1921, stammt ein Bild von unüberbietbarer Prägnanz und Wucht: es zeigt von seinem Beobachtungspunkt auf der Sankt-Michaels-Brücke aus die drei, hinter einander gestaffelten Bauten: die Sankt-Niklaus-Kirche, den Belfried, die Sankt-Baafs-Kathedrale. Die drei für sich schon wuchtigen gotischen Türme erscheinen in dieser Staffelung hintereinander als eine Steigerung und Verdichtung von Baumassen, die in die Vertikale gestemmt werden. Sacré hat damit nicht nur schon an und für sich bemerkenswerte Gebäude der flämischen Gotik abgebildet oder einen Stadtraum photographisch reproduziert, sondern eine Ikone geschaffen, in der sich die ganze Stadt wiederfindet, hinter deren Wucht die reale Stadt zuweilen aber auch zu verschwinden droht. Dieses Meisterwerk verdankt sich nicht nur dem künstlerischen Genie des Stadtphotographen Sacré, und nicht nur dem genius loci, sondern auch einem historischen momentum. Sacré produziert das gültige Bild Gents in einem für die Stadt entscheidenden Augenblick: im Jahre 1913, als die Stadt sich anschickt, von sich selbst ein Bild zu gewinnen und sich der Welt zu präsentieren. 1905 war beschlossen worden, dass die Weltausstellung des Jahres 1913 – mit dem Schwerpunkt Blumen und Geschichte der Hauptstad Flanderns – in Gent stattfinden würde. Gent sollte sich mit diesem „quintessential image“, mit dieser „signature“, wie wir aus den Forschungen von Bruno Notteboom wissen, als Stadt einer großen Tradition, aber auch als eine moderne Stadt präsentieren. Dieses Bild wurde in ganz Europa und in der Welt verbreitet über die Touristen-Führer für die Weltausstellung, über Postkarten, Prospekte, Hotelreklamen, und ging so in das kollektive Gedächtnis ein. In der Stadt der Weltausstellung kam alles zusammen: die Pracht der Festumzüge, die ein selbstbewusstes Bürgertum inszenierte, und die Modernität einer Stadt, die sich einen neuen großartigen Bahnhof leistete; der Erfolg einer bedeutenden Industriestadt, des „Manchester des Kontinents“ und einer selbstbewussten Arbeiterbewegung, deren Führer mit zur Prominenz der sozialistischen Internationale zählten; demonstriert werden sollte der Reichtum eines Kolonialimperiums, das sich in einem Pantheon-ähnlichen Glaspalast des Kongo auf der Weltausstellung spiegelte, aber auch die heile Welt des flämischen Dorfes, das mit seinen Musterhöfen und Musterküchen die Leistungskraft der Landwirtschaft beschwor. Zugleich präsentierte die Weltausstellung von 1913 zum letzten Mal die Inhumanität des Menschenzoos, in dem die „Eingeborenen“ den neugierigen Besuchern vorgeführt wurden. Gent war im letzten Jahr vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges Schauplatz einer globalen Leistungsschau und einer zweiten Erfindung einer alten, traditionsreichen Stadt im Zeitalter der Moderne. Gent stand damit in einer Reihe mit den spektakulären Weltausstellungen von Chicago und Paris, mit städtebaulichen Auswirkungen für die Stadt, die man bis heute sehen kann. Wäre die Blumenhalle 1962 nicht abgebrannt, sie wäre heute wahrscheinlich der meistbesuchte Ort im Zitadellenpark. Dafür sind andere Bauten zu bestaunen: das Kunstmuseum mit seinem wunderbaren Oberlicht und der exquisiten Kollektion flämischer Malerei, das Millionärsviertel und die für Gent eher untypische Jugendstilbebauung südlich des Weltausstellungsgeländes und heutigen Zitadellenparks, und nicht zuletzt des Bahnhofs Sint Pieter, von dem aus die nach Millionen zählenden Besucher das Ausstellungsgelände erreichten. Es ist ein prachtvoller Bahnhof, und man sieht an ihm noch heute, dass Belgien einmal das führende Eisenbahnland auf dem Kontinent war, die Belgier nicht nur als imagined community, sondern als railway community – nation building auch als Ergebnis von Infrastruktur, Verkehr und Kommunikation. Solche Bauten mit einer langgestreckten Längsfassade in einem merkwürdigen Kolonialstil mit Minarett-ähnlichen Türmen, mit Bahnhofshallen, die Kirchenschiffen und Basiliken gleich mit Fresken und Mosaiken geschmückt waren – das konnten sich nur große, wohlhabende Städte wie Gent es war leisten. 1913 war das letzte Jahr vor dem Ersten Weltkrieg, der letzte Sommer, auf dem die Badegäste auf dem Weg nach Ostende noch einmal in Gent oder Brügge einen Zwischenaufenthalt einlegen konnten, um sich ein letztes Mal ein Bild vom Europa der belle époque zu machen. Aber anders als Ypern, das nicht einmal eine Fahrstunde entfernt ist, und erst recht nicht wie in Löwen, das schwer zerstört wurde und seine weltberühmte Bibliothek verlor, sieht man in Gent keine äußeren Spuren des Krieges, den die Deutschen nach Belgien getragen hatten. Aber das ist natürlich eine Täuschung, der ein fremder Besucher leicht erliegen kann: Genter Professoren wie der in ganz Europa bekannt gewordene Historiker Henri Pirenne gehörten zu den ersten Opfern des deutschen Einmarsches.


Henri Pirenne über das Zentrum des modernen Europa
Henri Pirenne, der bedeutendste belgische Historiker seiner Zeit, war vom Krieg in mehrerlei Hinsicht betroffen. Als Historiker, der nach seinem Studium und seiner Promotion in Lüttich in Berlin und Leipzig studiert und den Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Gent übernommen hatte, war er schockiert von der deutschen Invasion Belgiens im August 1914 und besonders von der nationalistischen Mobilmachung deutscher Gelehrter und Intellektueller im berüchtigten „Aufruf an die Kulturwelt“ vom Oktober 1914. Er verweigerte sich dem Plan des deutschen Generalgouverneurs für Belgien Moritz von Bissing, die Wiedereröffnung der zuvor geschlossenen Universität Gent als Flämische Universität unter deutscher Führung mitzutragen. Zusammen mit seinem Genter Kollegen Paul Fredericq (1850-1920) wurde er ins Deutsche Reich deportiert, wo er zwischen 1916 und 1918 in verschiedenen Lagern in Krefeld, Holzminden und Creuzburg an der Werra interniert war und infolge internationaler Proteste auch einige Zeit an der Universität Jena verbringen konnte. Sein Fall zog die Aufmerksamkeit der internationalen Gelehrtenwelt auf sich und wurde von dem Dänischen Philologen Kristoffer Nyrop (1858-1931) in dem Buch „The imprisonment of the Ghent professors, a question of might and right: my reply to the German legation in Stockholm“ im Jahre 1917 behandelt. Während seiner Internierung in Deutschland machte er Tagebucheintragungen, die unter dem Titel „Souvenirs de capitivité en Allemagne (mars 1916-novembre 1918)“ in der „Revue des Deux Mondes“ (1919/1920) veröffentlicht wurden. Die Suche nach den Gründen für den Ausbruch der Gewalt und der europäischen Katastrophe beschäftigte ihn für den Rest seines Lebens. Für die Carnegie Endowment for International Peace veröffentlichte er 1928 die Studie „La Belgique et la Guerre mondiale“.

Die Kriegserfahrung hatte aber auch tiefgreifende Konsequenzen für seine Methode und Perspektivbildung als Historiker. Auf dem 5. Internationalen Historiker-Kongress im Jahre 1923 in Brüssel ging er in seinem Eröffnungsvortrag „De la Méthode comparative en histoire“ der Frage nach, wie die historischen Wissenschaften selbst zum Ausbruch der Gewalt beigetragen haben. Er drückte die Überzeugung aus, dass allzu enge Spezialisierung und ein Mangel an Selbstreflexion insbesondere in der deutschen Gelehrtenwelt nationalistischer und rassistischer Überheblichkeit Vorschub geleistet hätten. Pirennes Entwicklung einer komparativen Methode in den Geschichtswissenschaften, also eine Herangehensweise, die Nationalgeschichten nicht separat, nicht isoliert und für sich, sondern im Vergleich und Kontrast mit anderen behandelt, hat in dieser über die rein wissenschaftliche Arbeit hinausgehenden Lebenserfahrung sein tieferes Fundament. Im 100. Jahr der Wiederkehr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges, der auch in Belgien überall mit Ausstellungen und Konferenzen begangen wurde, wird diese Zäsur, die der Krieg in der intellektuellen Szene und der Gelehrtenwelt hinterlassen hat, besonders sichtbar, wie überhaupt der Krieg in zahlreichen Denkmälern für die Gefallenen und Opfer auf dem Territorium der Stadt sich niedergeschlagen hat. Dies gilt für den Zweiten Weltkrieg noch viel mehr, in dem Belgier zu Hunderttausenden zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschafft worden und Tausende in den Lagern umgekommen sind. Am Portal des Reichsgefängnisses in der Straße Nieuwewandeling etwa, eines mächtigen Baus in der klassischen Form des zentralen Panoptikums, ist eine Plakette angebracht, die an die dort gefangenen und exekutierten belgischen Widerstandskämpfer erinnert.

Henri Pirenne ist 1935 gestorben und hat den Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt. Aber Pirenne ist in einem noch anderen, fundamentalen Sinn, und über die Universität hinaus, mit der Stadt Gent verbunden. Sein ganzes Werk kreiste ja um die Frage, wie es kam, dass das dynamische Zentrum des aufstrebenden Kapitalismus und des modernen Europa sich in den Nordwesten des Kontinents verschoben hatte, nachdem es über Jahrhunderte hinweg vom Mittelmeerraum, besonders vom östlichen Mittelmeerraum her inspiriert und angetrieben worden war. Für ihn war es nicht die germanische Völkerwanderung, die die Einheit der vom Mittelmeer getragenen Kulturwelt des Römischen Reiches zerstört hatte, sondern erst ein wesentlich anderer und späterer Vorgang, nämlich als durch den Vormarsch des Islam die Einheit des Mittelmeerraumes aufgelöst, der Orient endgültig vom Abendland geschieden wurde und Länder wie Nordafrika und Spanien, die bis dahin zur abendländischen Welt gehört hatten, in den von Bagdad aus bestimmten Kulturkreis fielen. Mit der Abschließung des Weges nach Osten, waren auch die Fernhandelswege in den Orient gekappt, und erst nach einer längeren Zeit begann eine Reconquista, die von den aufsteigenden Stadtstaaten und Republiken Oberitaliens, insbesondere Venedigs und Genuas, getragen wurde. In diese Zeit fiel, so Pirenne, auch der Aufstieg der Städte des nordwestlichen Europa, das erst recht nach der Entdeckung „West-Indiens“, also Amerikas, zum Zentrum des modernen Europa und eines neuen Goldenen Zeitalters werden sollte. Pirenne war daher nicht nur der Historiker Belgiens – er hatte für seine siebenbändige „Geschichte Belgiens“ den großen belgischen Königspreis erhalten -, sondern vor allem der Historiker der Genese der modernen europäischen Stadt. Gewiss haben auch hier wieder lebensgeschichtliche Momente eine Rolle gespielt wie etwa seine Herkunft aus der Familie eines wallonischen Textilfabrikanten, die ihn mit der Geschichte der Tuchindustrie von Hause aus bekannt gemacht hatte, vermutlich auch seine frühe Beschäftigung mit landesgeschichtlichen Studien zu Liège und Dinant. Aber ganz gewiss war die Stätte seines Wirkens, die Universität Gent inmitten der Stadt Gent, der ideale Denkort, das Laboratorium, in dem seine historische Imagination geschult wurde. „Flandern aber und bald danach das benachbarte Brabant hielten eine Ausnahmestellung innerhalb aller ihrer Nachahmer“, schrieb Pirenne über die Blüte des Tuch- und Wollhandels. „Bis zum Ende des Mittelalters finden wir nirgendwo in Europa eine so ausgesprochen industrielle Gegend wie das Scheldebecken. Es ergibt sich zum übrigen Kontinent ein Kontrast, der an das England des 18. und 19. Jahrhunderts gemahnt. Die Tücher sind an Feinheit, Weichheit, Schmiegsamkeit und Färbung unerreicht“. Hier fand er gleichsam wie in einem Bilderbuch alle Motive und Antriebskräfte für die Entstehung der europäischen Stadt vor. Hier fand er die sozialen Milieus, die urbanen Räume, die architektonischen und künstlerischen Manifestationen all jener Prozesse vor, die ihn als Historiker bis zu seinem Lebensende faszinierten. Da waren die Verkehrswege, die Kanäle und die Häfen in der Flusslandschaft von Schelde, Rhein und Maas. Da war die Burg, die Schutz bot und den Kern der Siedlung bildete. Hier fand er die Marktplätze, auf denen die Messen und Jahrmärkte abgehalten wurden und über die der Fernhandel abgewickelt wurde. Hier entstanden die Institutionen, die die Interessen der Handwerker, der Zünfte, der Patrizierfamilien vertraten und in denen die städtische Selbstverwaltung praktiziert wurde. In den kirchlichen Gebäuden – den Kathedralen, den Klöstern und Beginenhöfen – fand Pirenne den Ausdruck der geistlichen Macht, und in den Gebäuden der Bürgergemeinde – Gerichte, Hospitäler, Gefängnisse, Tuchhallen, Börse, Waage – hatte er die Verkörperung der weltlichen Macht vor Augen. Jede Epoche hatte in den Straßen und Gassen der Stadt ihren künstlerischen Abdruck hinterlassen, jede Fassade zeugte von den historischen Konjunkturen von Wohlstand oder Niedergang. Der Forscher fand hier den unendlich reichhaltigen Stoff, das unendlich differenzierte Material, die subtilsten Formen, auf die sich seine ganze analytische Kraft konzentrieren konnte. Es war nicht nur der Einfluss Karl Lamprechts oder Marc Blochs, der Pioniers einer alle Disziplinen umgreifenden Geschichtsschreibung, die Pirenne gut gekannt und deren Werk er sehr geschätzt hatte, sondern es war die unmittelbare Erfahrung der komplexen urbanen Welt, die Pirenne – seinem niederländischen Kollegen Johan Huizinga nicht unähnlich - zu einem Meister der modernen Kulturgeschichte haben werden lassen. Wirtschaft, Verkehr, Recht, Literatur, Baugeschichte – alles fügte sich in seinem Buch „Les villes du moyen age. Essai d’histoire économique et sociale“ von 1927 zu einem integralen und komplexen Panorama der Blütezeit des europäischen Städtewesens. Wenn es wahr ist, dass die Erkundung von Städten immer im Kopf beginnt, dann sind Pirennes klassische Studien, die noch heute in immer neuen Auflagen in den Buchhandlungen zu finden sind, die beste Anleitung. Man kann damit auch ins Stadtmuseum von Gent gehen, das im Bijloke, auf dem Gelände eines großen ehemaligen Kloster- und Hospizkomplexes eingerichtet worden ist. Der erste Raum präsentiert ein Stadtmodell und eine Karte der Stadt, auf der man herumgehen und Straßen und Häuser in Augenschein nehmen kann, ein Vergnügen für Kinder, aber auch für Erwachsene, die im Museum eine perfekte Illustration der Genter Geschichte finden – mit Karten, Dokumenten, Grabungsfunden von den Anfängen menschlicher Siedlung bis zur Gegenwart.


Das Europa im Delta
Ich habe in Gent zum ersten Mal den Ausdruck von der „Delta-Region“ gehört – gemeint ist das Delta von Rhein, Schelde und Maas, die von Flüssen und Kanälen durchzogenen Landschaften Flanderns, Brabants und Seelands mit ihren Häfen, über die Europa mit der Welt verbunden ist: Antwerpen, Rotterdam, Ostende. Vom Belvedere des Bücherturms zeigt sich heute fast ein Panorama, wie es auf einer monumentalen Stadtansicht aus dem Jahre 1534 festgehalten worden ist: Gent als von Flüssen und Kanälen durchzogene Hafenstadt, was mir, der wie vermutlich die meisten Besucher der Stadt von Brüssel her anreist, nicht geläufig war. Brüssel ist nah, nicht einmal eine Stunde mit der Eisenbahn entfernt. Man kommt auf einem Bahnhof an, der derzeit eine Baustelle ist. Gent schließt wieder einmal wie schon früher an das Tempo der Zeit an, diesmal an das Netz und das Tempo der Hochgeschwindigkeitszüge. Gent wie die anderen Städte im Delta sind nun in die Umgebung der Hauptstadt der Europäischen Union gerückt. Für die Abgeordneten, Beamten, Funktionsträger, Sekretäre, Diplomaten, die sich in der gemischten Gesellschaft Brüssels einfinden, gibt es kaum einen Ort, an dem sie sich auf ebenso bequeme wie anspruchsvolle Weise ein Bild vom Werden des modernen Europa machen können. Sie können hier auch lernen, dass die Einigung Europas nicht nur von Katastrophenerfahrungen angetrieben wird, sondern auch von der Kraft und der Herrlichkeit und der Schönheit seiner Städte. Gerade in Zeiten der Krise und scheinbarer Ermüdung kommen die Europäer ohne die Inspiration, die von Städten wie Gent ausgeht, nicht aus.

 


Karl Schlögel, Berlin im Dezember 2014

 

 

Danksagung:
Dieser Essay zu Gent hätte nicht geschrieben werden können ohne die Einladung nach Gent durch Xander Stroo von der Stiftung de Buren und die Gastfreundschaft Christine de Weerdts, der Direktorin des Genter Stadtmuseums. Anregungen verdanke ich der Diskussion mit Michiel Dehaene und Bruno Nottebooms Studie zu Edmond Sacré. Zu einem Blick auf das moderne, sich immer weiter entwickelnde Gent hat mir ein intensiver Spaziergang mit Herrn Frank Beke verholfen. Die zweite Entdeckung Henri Pirennes verdanke ich vor allem Geneviève Warlands: Tagungsbericht: Henri Pirenne (1862-1935): un historien belge face au développement des sciences sociales et historiques, 27.03.2009 – 28.03.2009 Gent, Brüssel, in: H-Soz-Kult, 29.05.2009. (Zugriff 20.12.2014).

 

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Gent - een Europees panorama: Henri van de Velde, Edmond Sacré, Henri Pirenne


Dat Gent een oude, bezienswaardige, belangrijke stad was, dat wist ik al lang. Ik was er al geweest als student, toen ik vanuit Zuid-Duitsland een fietstocht langs de Rijn tot aan de monding had gemaakt en daarbij na Amsterdam, Rotterdam en Antwerpen ook Brugge en Gent had bezocht. Ik herinner me nog de begijnhoven, de kanalen, de wilgen waarvan de twijgen het wateroppervlak beroerden, de roestrode kleur van de bakstenen. Op de een of andere manier herinner ik me ook grote pleinen, prachtige renaissancegevels, gotische stadhuizen en kerken. Natuurlijk was er sindsdien veel veranderd, net als in andere steden. Het verkeer dat de binnensteden had overspoeld, leek intussen teruggedrongen; de voetgangers leken weer de overhand gekregen te hebben. In de straten was het nauw geworden omdat zo veel mensen zich aan hun lievelingsbezigheid wijdden: shoppen. Groepen toeristen baanden zich een weg naar de bezienswaardigheden. Er waren nu nauwelijks nog talen die niet te horen waren. In de winkelstraten hadden de internationale merken de nationale of zelfs lokale merken naar de achtergrond verdreven. Zelfs de kleur van de steden was veranderd: in de jaren zestig en zeventig waren de steden nog grauw, van ouderdom en roet, soms ook nog getekend door oorlogsschade, maar nu straalden ze, waarschijnlijk helderder dan in de tijd waarin de gebouwen werden opgetrokken: steenrood, warm okergeel, of wit en glad bepleisterd.

Toen ik deze keer in het station Gent-Sint-Pieters aankwam en met de tram naar het centrum reed, was mijn eerste indruk: Gent is op andere steden gaan lijken, met hotels en warenhuizen van de bekende internationale ketens, met de reclames en logo's die er elders ook zijn, alles veel welgestelder nu, rijker, schitterender; een heden opgeluisterd door de glans van een op het eerste zicht nooit verwoeste en door de eeuwen heen onbeschadigd gebleven stad. Waar vind je 's nachts zo’n sprookjesachtig verlichte kades en gevels als die tussen de Sint-Michielsbrug en het Gravensteen, waar ieder huis zijn zorgvuldig versierde voorgevel over de Leie laat uitkijken! Waar vind je zo'n concentratie van zo veel verschillende bouwstijlen op zo’n kleine oppervlakte! Waar kun je de versmelting van de tijdperken zo levendig bestuderen als tijdens een wandeling over het Sint-Baafsplein of de Vrijdagsmarkt! En anticipeerden de drie torens van de Sint-Niklaaskerk, het Belfort en de Sint-Baafskathedraal niet al op de vermetelheid van de wolkenkrabbers van Manhattan? De hele stadsomgeving een interieur waar generaties aan hadden gewerkt, vierkante meter voor vierkante meter, centimeter voor centimeter – de belichaming van de kundigheid en de ijver van bouwmeesters, metselaars, timmerlui, steensnijders en van beroepen waarvan wij de naam niet eens meer kennen. Gent – een totaalkunstwerk, door de eeuwen heen gebouwd, telkens weer onderbroken, verder gebouwd, verfijnd, geslepen als een juweel.

 


Henri Van de Veldes moderniteit


Maar dan zijn er toch verrassingen waar ook ervaren stadsreizigers niet op voorbereid zijn, en schokken die je op heel nieuwe gedachten brengen en je op een heel andere manier naar de stad doen kijken. Het was mij niet bekend dat Henri Van de Velde, een van de belangrijkste en elegantste Europese architecten en designers van de twintigste eeuw, in Gent had gebouwd, en dan nog wel een eminent gebouw dat boven de stad uitrijst: de Boekentoren van de universiteit. Henri Van de Velde staat bij ons bekend als de architect van het Nietzsche-archief in Weimar, als vriend van de mecenas Harry Graf Kessler, als de ontwerper van Villa Esche in Chemnitz en van luxueuze woningen in Brussel. Als een van de architecten die met hun eenvoudige en heldere lijn de overgemeubileerde en eclecticistische wereld van de late negentiende eeuw binnenraasden en een nieuwe stijl aankondigden. Als iemand voor wie ook de Jugendstil slechts een overgangsfase naar het functionalisme en het rationalisme van de twintigste eeuw was, waarin schoonheid van het materiaal en functie zelf naar voren traden en stijlbepalend werden. Henri Van de Velde was een vormpionier van de late negentiende eeuw, die tot ver in de twintigste eeuw de weg wijst, op gelijke voet met Adolf Loos, Peter Behrens, Bruno Taut, Fjodor Sjechtel.

Nu bleek dus dat hij niet alleen een meester van de ‘kleine vorm’, van intieme woonruimtes, van tot in de puntjes gecomponeerde interieurs en liefdevolle details was, maar een bouwmeester die zich aan een wolkenkrabber in Amerikaanse stijl had gewaagd! Ik zag het gebouw voor het eerst als model in het stadsmuseum van Gent. Daar stond het in een aparte, volledig witte ruimte: het stelde een vierenzestig meter hoge toren met vierentwintig verdiepingen voor, uitrijzend boven een ver uitstekende, twee verdiepingen tellende vleugel die rond een binnenplaats was gebouwd en waar de receptie, de administratie maar vooral de leeszalen in waren ondergebracht. Met zijn laconieke lijnen had het model wat weg van een architectuurtekening zoals we die uit de catalogi van het Bauhaus kenden. Alleen, het was geen architectuurtekening, maar de voorstelling van een werkelijk uitgevoerd gebouw. Je hoefde alleen maar naar buiten te gaan, de stad in. De Boekentoren is vanaf veel punten in de stad te zien, niet alleen door zijn hoogte, maar omdat hij op het hoogste punt van de stad staat: op de Blandijnberg, een traditionele arbeiderswijk waar tegenwoordig veel studenten en immigranten wonen. Als je van de Leie komend langs de universiteitsgebouwen de berg oploopt, zie je dat de Boekentoren als het ware op een vlak, horizontaal plateau staat dat aan de langste zijde voorzien is van loodrechte ramen in rijen naast elkaar, en aan de voorzijde van een halfrond trappenhuis dat typisch is voor het Bauhaus. Boekentorens waren voor de tijd waarin Van de Velde zijn opdracht kreeg – in 1933 – nog volstrekt niet vanzelfsprekend. Te groot schenen de problemen van het boekentransport, van het bewaren en van het beschermen tegen vuur en water. Bij een rondleiding kun je tegenwoordig in de keldergewelven de honderdtachtig stalen draagbalken zien waar het hele bouwwerk op steunt. Een na de oorlog uit de VS geïmporteerde boekenlift is intussen op grond van veiligheidsproblemen buiten werking gesteld. De enige personenlift die de vierentwintig verdiepingen met elkaar verbindt, volstond nauwelijks om aan de eisen van een efficiënte bibliotheekdienst te beantwoorden. De meer dan drie miljoen boeken van de universiteitsbibliotheek zijn thans in reservedepots ondergebracht, maar onder de hoofdvleugel werden al nieuwe, meerdere verdiepingen tellende depots gebouwd, en dit volgens de allernieuwste veiligheidsvoorschriften. En ondanks de bezwaren die vanwege de duidelijk zichtbare technische en logistieke problemen al in de bouwtijd tussen 1935 en 1940 werden geopperd, is dit een sensationeel bouwwerk dat aan de stad van de drie torens een vierde toren schenkt, die aan de skyline van Gent een nieuwe verticale lijn heeft toegevoegd.

Het is waar dat de toestand van het gebouw in de laatste jaren (de versplinterde ruiten in de drie rijen van onder naar boven doorlopende ramen en de waarschijnlijk door gebrekkig materiaal en verwering veroorzaakte oneffenheid van de bekleding) afbreuk doet aan het monumentale karakter ervan, maar het is niet moeilijk om je voor te stellen hoe het weer tot zijn recht zal komen zodra de peperdure renovatie – ze wordt geschat op zeventig miljoen euro – afgerond zal zijn. De gladde bekleding van het gebouw, geheel in voornaam grijs, met de gerestaureerde ramen in rijen naast elkaar en de meerdere verdiepingen tellende glazen belvedère op de torenspits – dat alles samen zal van de Boekentoren een architectonische en stedenbouwkundige attractie maken die het beeld van Gent zal verrijken en misschien ook een nieuw accent zal geven: Gent, niet alleen een metropool van de middeleeuwen, niet alleen een centrum van de bloeitijd van de Vlaamse bourgeoisie, maar een stad die haar plaats in de twintigste eeuw opnieuw heeft gedefinieerd. Aan de belvedère en aan de al gerenoveerde nutsruimtes – de lobby, de gangen, de administratie en de leeszalen – kun je nu al aflezen wat de bedoeling was van Henri Van de Velde: een tot in het laatste detail gecomponeerde ruimte, waarin de functie van een grote bibliotheek moet samenvallen met esthetische eisen, en waar ambachtelijke soliditeit één moet worden met raffinement van de vorm. Het gebouw is doorzichtig – met veel glas, naar buiten toe en naar de binnenplaats –, bijna overal is er daglicht; de gangen zijn helder, deuren en deurkozijnen zijn in een harmonische kleur: eik. Raamkozijnen, deuren, trapleuningen zijn uitgevoerd in de kleur van de art deco-tijd – zwart gelakte ijzer- of chroomlijsten. Een bijzondere clou is de belvedère, een soort sky desk, zoals we die van het Rockefeller Center of van de ingestorte torens van het World Trade Center kennen: een ruime, zich over twee verdiepingen uitstrekkende hal met ramen en balkons naar alle vier de windrichtingen, van waaruit je een prachtig uitzicht over het stads- en rivierlandschap van Gent hebt. Dat de ruimte was bedoeld als een plaats voor academische gezelligheid, voor geleerde voordrachten alsook voor gecultiveerd amusement, dat valt opnieuw af te lezen aan de gedegen inrichting – tropische houtsoorten, trappen in zwart marmer, chromen trapleuningen –, maar ook aan een reusachtige biljarttafel, waarvan niemand vandaag nog kan zeggen hoe hij over de smalle trappen of met de lift hierheen gebracht kon worden. In de Tweede Wereldoorlog diende het hoogste punt boven de stad als waarnemingstoren van de Duitsers, maar kennelijk overleefde de toren het oorlogsgebeuren bijna ongedeerd. Het valt moeilijk in te schatten wat er zal gebeuren als de belvedère volledig gerenoveerd is en voor het bredere publiek opengesteld wordt – het zou in ieder geval een belangrijke bron van inkomsten voor het budget van de universiteit zijn.

Het stadsgedeelte waarboven de Boekentoren zich verheft, heeft nog andere gebouwen die wijzen op een historische laag die gewoonlijk niet met het – door de middeleeuwen en de renaissance gevormde – beeld van Gent wordt geassocieerd: het Nieuw Circus waarvan het tentdak van ver zichtbaar is, een redactiegebouw dat met een tot aan de straat uitstekende, glazen voorbouw de moderne stijl van de jaren twintig oproept, maar ook het volkshuis De Vooruit met zijn theaterzalen en restaurants dat nog voor de Eerste Wereldoorlog werd geopend (even verderop en zeer de moeite waard voor de moderne kunst van de jaren twintig is ook het art deco-zwembad Van Eyck aan het Veermansplein).

 


Gent als icoon: Edmond Sacrés foto van 1913


Van Edmond Sacré, de portrettist en documentarist van het Gent tussen de jaren 1870 en 1921, stamt een foto van onovertrefbare kracht: hij toont vanaf zijn waarnemingspunt op de Sint-Michielsbrug drie gebouwen achter elkaar: de Sint-Niklaaskerk, het Belfort, de Sint-Baafskathedraal. De drie op zich al massieve gotische torens verschijnen in deze compositie als een versterking van bouwmassa’s die verticaal opgestuwd worden. Sacré heeft daarmee niet alleen op zich al opmerkelijke gebouwen van de Vlaamse gotiek afgebeeld of een stadsgebied fotografisch gereproduceerd, maar hij heeft ook een prachtig icoon geschapen waarin de hele stad zichzelf terugvindt, waarachter de reële stad soms echter ook dreigt te verdwijnen. Dit meesterwerk is niet alleen toe te schrijven aan het artistieke genie van de stadsfotograaf Sacré, en niet slechts aan het genius loci, maar ook aan een historisch momentum. Sacré produceert het gangbare beeld van Gent op een voor de stad beslissend ogenblik: in het jaar 1913, toen de stad op het punt stond om van zichzelf een beeld te vormen en zich aan de wereld voor te stellen. In 1905 was er besloten dat de wereldtentoonstelling van het jaar 1913 – met als zwaartepunt ’bloemen en geschiedenis van de hoofdstad van Vlaanderen’ – in Gent zou plaatsvinden. Gent zou zich met dit quintessential image, met deze signature, zoals we uit de onderzoeken van Bruno Notteboom weten, als stad van een grote traditie presenteren, maar ook als een moderne stad. Dit beeld werd in heel Europa en de wereld verspreid via de toeristische gidsen voor de wereldtentoonstelling, via postkaarten, folders, hotelreclames, en vond zo ingang in het collectieve geheugen. In de stad van de wereldtentoonstelling kwam alles samen: de pracht en praal van feestelijke optochten die door een zelfbewuste burgerij werden geënsceneerd, en de moderniteit van een stad die zich een nieuw groots station veroorloofde; het succes van een belangrijke industriestad, van het ‘Manchester van het continent’ en van een zelfbewuste arbeidersbeweging waarvan de leiders tot de kopstukken van de Socialistische Internationale behoorden; de rijkdom van een koloniaal imperium waarvan een pantheonachtig glazen paleis uit Congo de afspiegeling was, maar ook de ideale wereld van het Vlaamse dorp dat met zijn modelboerderijen en modelkeukens getuigde van het prestatievermogen van de landbouw. Tegelijkertijd presenteerde de wereldtentoonstelling van 1913 voor de laatste keer de onmenselijke ‘mensendierentuin’, waarin de ‘inboorlingen’ aan de nieuwsgierige bezoekers werden getoond. Gent was in het laatste jaar voor het begin van de Eerste Wereldoorlog een schouwtoneel van internationale krachttoeren, en van een heruitvinding van een oude, traditierijke stad in het tijdperk van de moderniteit. Gent kon zich daardoor meten met de spectaculaire wereldtentoonstellingen van Chicago en Parijs, met stedenbouwkundige gevolgen die je tot op vandaag kunt zien. Als de bloemenhal in 1962 niet was afgebrand, dan was het vandaag waarschijnlijk de meest bezochte plek in het Citadelpark geweest. In plaats daarvan zijn andere bouwwerken te bewonderen: het Museum voor Schone Kunsten met zijn wonderbaarlijk invallend daglicht en de uitgelezen verzameling Vlaamse schilderkunst, het Miljoenenkwartier en de voor Gent eerder atypische Jugendstil-bebouwing ten zuiden van het terrein van de wereldtentoonstelling – het huidige Citadelpark –, en niet in het laatst het station Sint-Pieter, vanwaar de miljoenen bezoekers het terrein van de tentoonstelling bereikten. Het is een prachtig stationsgebouw, en je ziet er tegenwoordig nog aan dat België ooit het leidinggevende spoorwegland op het continent was. De Belgen niet enkel als imagined community, maar als railway community – nation building tevens als het resultaat van infrastructuur, verkeer en communicatie. Zulke gebouwen met een brede voorgevel in een merkwaardige koloniale stijl, met minaretachtige torens, met stationshallen die zoals kerkschepen en basilieken met fresco’s en mozaïeken waren versierd – dat konden enkel grote, welgestelde steden zoals Gent zich permitteren. 1913 was het laatste jaar voor de Eerste Wereldoorlog, de laatste zomer waarin de badgasten op weg naar Oostende nog eens een tussenverblijf in Gent of Brugge konden inlassen om een laatste keer het Europa van de Belle Epoque te bezichtigen. Maar in tegenstelling tot Ieper, dat niet eens een uur rijden verwijderd is, en al helemaal niet zoals in Leuven, dat zwaar verwoest werd en zijn wereldberoemde bibliotheek verloor, zie je in Gent geen uitwendige sporen van de oorlog die de Duitsers naar België hadden gebracht. Maar dat is natuurlijk een vergissing die een buitenlandse bezoeker gemakkelijk kan maken: Gentse professoren zoals de in heel Europa bekend geworden historicus Henri Pirenne behoorden tot de eerste slachtoffers van de Duitse inval.

 


Henri Pirenne over het centrum van het moderne Europa


Henri Pirenne, de belangrijkste Belgische historicus van zijn tijd, was door de oorlog in velerlei opzichten getroffen. Als geschiedkundige die, na zijn studie en zijn promotie in Luik, in Berlijn en Leipzig had gestudeerd en de leerstoel voor geschiedenis aan de universiteit Gent had overgenomen, was hij geschokt door de Duitse invasie van België in augustus 1914 en in het bijzonder door de nationalistische mobilisatie van Duitse geleerden en intellectuelen in de beruchte ‘Oproep aan de culturele wereld’ uit oktober 1914. Hij weigerde mee te werken aan het plan van de Duitse gouverneur-generaal voor België, Moritz von Bissing, om de kort daarvoor gesloten Universiteit Gent als Vlaamse universiteit onder Duitse voogdij te heropenen. Samen met zijn Gentse collega Paul Fredericq (1850-1920) werd hij naar het Duitse Rijk gedeporteerd, waar hij tussen 1916 en 1918 in verscheidene kampen in Krefeld, Holzminden en Creuzburg aan de Werra-rivier geïnterneerd was en naar aanleiding van internationale protesten ook enige tijd aan de universiteit van Jena kon doorbrengen. Zijn geval trok de aandacht van de internationale wetenschappelijke gemeenschap en vormde het onderwerp van het in 1917 verschenen boek The Imprisonment of the Ghent Professors, a Question of Might and Right: my Reply to the German Legation in Stockholm van de Deense filoloog Kristoffer Nyrop (1858-1931). Tijdens zijn internering in Duitsland maakte hij dagboekaantekeningen die onder de titel ‘Souvenirs de capitivité en Allemagne (mars 1916-novembre 1918)’ in het tijdschrift Revue des Deux Mondes (1919/1920) werden gepubliceerd. De zoektocht naar de oorzaken voor de uitbraak van het geweld en van de Europese catastrofe hield hem voor de rest van zijn leven bezig. Voor de Carnegie Endowment for International Peace publiceerde hij in 1928 de studie La Belgique et la Guerre mondiale.

Zijn oorlogservaring had echter ook een zware impact op zijn methode en perspectiefontwikkeling als historicus. Op het vijfde Internationale Congres voor Historici in het jaar 1923 in Brussel onderzocht hij in zijn inaugurale rede ‘De la méthode comparative en histoire’ de vraag in hoeverre de historische wetenschappen zelf tot de uitbraak van het geweld hadden bijgedragen. Hij sprak de overtuiging uit dat al te grote specialisatie en een gebrek aan zelfreflectie vooral in de Duitse wetenschappelijke wereld nationalistische en racistische arrogantie in de hand hadden gewerkt. Pirennes ontwikkeling van een comparatieve methode in de geschiedeniswetenschappen – dus een benadering die nationale geschiedenissen niet afzonderlijk, niet geïsoleerd en op zichzelf staand behandelt, maar in het contrast met andere – was diep geworteld in deze levenservaring die het zuiver wetenschappelijke werk overstijgt. Net zoals de oorlog in de stad zijn sporen heeft nagelaten in de vorm van de monumenten voor de talrijke gesneuvelden en slachtoffers, werd op de honderdste verjaardag van de Eerste Wereldoorlog, die ook in België overal met tentoonstellingen en conferenties werd herdacht, de cesuur die door 1914 in de intellectuele en de wetenschappelijke wereld werd teweeggebracht bij uitstek zichtbaar. Dit geldt nog veel meer voor de Tweede Wereldoorlog, waarin Belgen met honderdduizenden tegelijk voor dwangarbeid naar Duitsland werden getransporteerd en duizenden van hen in de kampen omkwamen. Aan het portaal van de rijksgevangenis aan de Nieuwewandeling, een imposant gebouw in de klassieke vorm van het centrale panopticum, hangt bijvoorbeeld een gedenkplaat die aan de daar gevangengehouden en geëxecuteerde Belgische verzetsstrijders herinnert.

Henri Pirenne is in 1935 gestorven en heeft de Tweede Wereldoorlog niet meer meegemaakt. Maar Pirenne is nog op een andere, fundamentele manier, los van de universiteit, met de stad Gent verbonden. Zijn hele oeuvre draaide immers om de vraag hoe het kwam dat het dynamische centrum van het opkomende kapitalisme en van het moderne Europa naar het noordwesten van het continent was verschoven, nadat het eeuwenlang door het Middellandse Zeegebied, en met name door het oostelijke Middellandse Zeegebied werd geïnspireerd en aangedreven. Voor hem was de eenheid van het Romeinse rijk rond de Middellandse Zee niet verwoest door de Germaanse volksverhuizing, maar door een fundamenteel andere en latere gebeurtenis: de opmars van de islam, die leidde tot het verbrokkelen van het Middellandse Zeegebied, tot een definitieve scheiding tussen de Oriënt en het Avondland, en die tot gevolg had dat landen zoals Noord-Afrika en Spanje, die tot op dat moment tot de westerse wereld hadden behoord, terechtkwamen in het cultuurgebied dat vanuit Bagdad werd gestuurd. Door het afsluiten van de weg naar het oosten waren ook de internationale handelsroutes naar de Oriënt afgesneden, en pas na een lange tijd begon een Reconquista, die door de opkomende stadstaten en republieken van Noord-Italië, in het bijzonder van Venetië en Genua, werd gedragen. In deze tijd viel volgens Pirenne ook de bloei van de steden van Noordwest-Europa, dat pas na de ontdekking van ‘West-Indië’, dus van Amerika, echt het centrum van het moderne Europa en van een nieuw Gouden Tijdperk zou worden. Pirenne was daarom niet alleen dé historicus van België – hij had voor zijn zevendelige Geschiedenis van België de grote Belgische Francqui-prijs gekregen –, maar vooral de historicus van de genese van de moderne Europese stad. Beslist hebben ook hier opnieuw elementen uit zijn eigen levensverhaal een rol gespeeld, zoals bijvoorbeeld zijn afkomst uit de familie van een Waalse textielfabrikant, waardoor hij van thuis uit vertrouwd was met de geschiedenis van de lakenindustrie, en vermoedelijk ook het feit dat hij zich al vroeg bezighield met de regionale geschiedenis van Luik en Dinant. Maar heel zeker was zijn werkplaats de universiteit van Gent, in het midden van de stad Gent – het ideale oord van reflectie, het laboratorium waar zijn historische verbeeldingskracht werd geschoold. ‘Maar Vlaanderen en spoedig daarna het naburige Brabant hadden een uitzonderingspositie te midden van al hun navolgers,’ schreef Pirenne over de bloei van de laken- en wolhandel. ‘Tot op het einde van de middeleeuwen vinden we nergens in Europa een zo uitgesproken industriegebied als het Scheldebekken. Er ontstaat een contrast met de rest van het continent dat aan het Engeland van de 18e en 19e eeuw doet denken. Het laken is ongeëvenaard qua verfijning, zachtheid, soepelheid en kleur.’ Hier lagen alle motieven en aandrijfkrachten voor het ontstaan van de Europese stad voor het grijpen. Hier vond hij de sociale milieus, de stedelijke ruimtes, de architectonische en artistieke manifestaties van alle processen die hem als historicus tot aan het einde van zijn leven fascineerden. De verkeerswegen bijvoorbeeld, de kanalen en de havens in het rivierlandschap van Schelde, Rijn en Maas. De burcht bijvoorbeeld, die bescherming bood en de kern van de nederzetting vormde. Hier trof hij de marktplaatsen aan waar de beurzen en jaarmarkten werden gehouden en waar de internationale handel met verre landen werd geregeld. Hier ontstonden de instituties die de belangen van de ambachtslieden, de gilden, de patriciërsfamilies behartigden en waarin het stedelijk zelfbestuur werd uitgeoefend. In de kerkelijke gebouwen – de kathedralen, de kloosters en begijnhoven – vond Pirenne de uitdrukking van de geestelijke macht, en in de gebouwen van de burgerlijke gemeenschap – rechtbanken, ziekenhuizen, gevangenissen, lakenhallen, beurs, balans – zag hij de belichaming van de wereldlijke macht. Iedere periode had in de straten en steegjes van de stad haar artistieke sporen achtergelaten, iedere voorgevel getuigde van de historische conjuncturen van welstand of verval. De onderzoeker vond hier de oneindig rijke stof, het oneindig gedifferentieerd materiaal, de uiterst subtiele vormen waarop zijn hele analytische kracht zich kon concentreren. Het was niet alleen de invloed van Karl Lamprecht of Marc Bloch, de pioniers van een multidisciplinaire geschiedschrijving die Pirenne goed had gekend en wier werk hij zeer had gewaardeerd; het was ook de onmiddellijke ervaring van de complexe stedelijke wereld die Pirenne – daarin niet erg verschillend van zijn Nederlandse collega Johan Huizinga – tot een meester van de moderne cultuurgeschiedenis deed uitgroeien. Economie, verkeer, recht, literatuur, architectuurgeschiedenis – alles voegde zich in zijn boek Les villes du Moyen Âge. Essai d’histoire économique et sociale uit 1927 samen tot een integraal en complex panorama van de bloeitijd van het Europese stadswezen. Als het waar is dat de verkenning van steden steeds in je hoofd begint, dan zijn Pirennes klassieke studies, die vandaag nog in telkens nieuwe edities in de boekhandels te vinden zijn, de beste leidraad. Je kunt ermee ook naar het stadsmuseum van Gent gaan, dat in de Bijloke op het terrein van een groot voormalig klooster- en hospitaalcomplex werd ingericht. De eerste ruimte toont een stadsmodel en een kaart van de stad waarop je kunt rondwandelen en straten en huizen in ogenschouw kunt nemen; een plezier voor kinderen, maar ook voor volwassenen die in het museum een perfecte illustratie van de Gentse geschiedenis vinden – met kaarten, documenten, archeologische vondsten vanaf het vroegste begin van de menselijke nederzetting tot het heden.

 


Europa in de delta


Ik heb in Gent voor de eerste keer de uitdrukking van de ‘deltaregio’ gehoord – bedoeld wordt daarmee de delta van de Rijn, de Schelde en de Maas, de door rivieren en kanalen doorsneden landschappen van Vlaanderen, Brabant en Zeeland met hun havens, die Europa met de wereld verbinden: Antwerpen, Rotterdam, Oostende. Vanaf de belvedère van de Boekentoren zie je vandaag bijna een panorama zoals het op een monumentaal stadsgezicht uit het jaar 1534 werd vastgelegd: Gent als havenstad, door rivieren en kanalen doorsneden, iets wat ik niet wist – zoals vermoedelijk de meeste bezoekers die via Brussel naar de stad komen. Brussel is dichtbij, niet eens een uur met de trein verwijderd. Je komt aan op een station dat op dit moment een bouwwerf is. Gent vindt weer eens, zoals vroeger al, aansluiting bij het tempo van de tijd, deze keer bij het netwerk en het tempo van de hogesnelheidstreinen. Gent en de andere steden in de delta zijn nu in de buurt van de hoofdstad van de Europese Unie komen te liggen. Voor de volksvertegenwoordigers, ambtenaren, functiebekleders, secretarissen, diplomaten, die in de multiculturele samenleving van Brussel aankomen, is er nauwelijks een plek waar ze zich op een net zo aangename en uitdagende manier een beeld van de wording van het moderne Europa kunnen vormen. Ze kunnen hier ook leren dat de eenmaking van Europa niet alleen door ervaringen van catastrofen wordt aangedreven, maar ook door de kracht en pracht en schoonheid van zijn steden. Net in tijden van crisis en schijnbare moeheid redden de Europeanen het niet zonder de inspiratie die uitgaat van steden zoals Gent.

 

 

Dankwoord:
Dit essay over Gent had niet geschreven kunnen worden zonder de uitnodiging van Xander Stroo van het Vlaams-Nederlands Huis deBuren om naar Gent te komen, en ook niet zonder de gastvrijheid van Christine De Weerdt, de directrice van het Gentse stadsmuseum. Suggesties heb ik te danken aan de discussie met Michiel Dehaene en aan Bruno Nottebooms studie over Edmond Sacré. Een blik op het moderne, zich steeds verder ontwikkelende Gent kreeg ik door een intensieve wandeling met de heer Frank Beke. De herontdekking van Henri Pirenne heb ik vooral te danken aan Geneviève Warlands: Verslag van een congres: ‘Henri Pirenne (1862-1935): un historien belge face au développement des sciences sociales et historiques’, 27.03.2009 – 28.03.2009 Gent, Brussel, in: H-Soz-Kult, 29.05.2009. (toegang op 20.12.2014).

 

 

Vertaald uit het Duits door Joëlle Feijen, begeleid door Kris Lauwerys

 

De Nederlandse vertaling van het citybook van Karl Schlögel over Gent werd begin 2015 gerealiseerd door de jonge vertaler Joëlle Feijen. Zij nam deel aan de transnationale master Literair Vertalen, een samenwerking van de K.U. Leuven en de Universiteit Utrecht. Aan het eind van haar studie won ze een talentbeurs literair vertalen, mogelijk gemaakt door het Vlaams Fonds voor de Letteren, waarmee ze onder begeleiding van een ervaren literair vertaler aan een eigen vertaling kan werken.

deBuren biedt graag kansen aan jonge makers. Daarom nodigden we Joëlle uit dit citybook te vertalen. Ze wordt begeleidt door Kris Lauwerys. Hij vertaalde samen met Isabelle Schoepen eerder al de citybooks van Andrea Stift, Werner Schandor en Milena Michiko Flašar uit het Duits naar het Nederlands.

 

 

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Gand – un panorama européen. Henry van de Velde, Edmond Sacré, Henri Pirenne


Que Gand fût une ville ancienne importante qui méritait d’être vue, je le savais depuis longtemps. J’y étais déjà allé quand j’étais étudiant, à l’occasion d’une randonnée à bicyclette qui, partant du Sud de l’Allemagne, m’avait fait suivre le Rhin jusqu’à son embouchure et m’avait permis, après Amsterdam, Rotterdam et Anvers, de visiter aussi Bruges et Gand. J’avais gardé en mémoire les béguinages, les canaux, les saules dont les branches touchaient la surface de l’eau, la couleur rouille des tuiles. M’étaient aussi restés d’une certaine manière les souvenirs de vastes places, de somptueuses façades Renaissance, d’hôtels de villes et d’églises gothiques. Bien sûr, entre-temps, bien des choses avaient changé, comme dans d’autres villes : la circulation qui avait asphyxié le centre-ville semblait avoir été endiguée, les piétons semblaient avoir repris la main ; on était à l’étroit dans les rues, tant étaient nombreux les passants en train de s’adonner à leur passe-temps favori, le shopping ; des groupes de touristes se frayaient un chemin vers les curiosités touristiques ; il était bien peu de langues qu’on n’entendît pas parler ; dans le quartier commerçant, les marques internationales avaient supplanté les marques nationales, voire les marques locales. Jusqu’aux couleurs de la ville avaient changé. Dans les années 1960 et 1970, les villes étaient grises, en raison de leur ancienneté et de la suie, parfois encore marquées par des dégâts causés par la guerre. Elles reluisaient désormais de couleurs probablement plus éclatantes que lorsque les bâtiments avaient été construits : ils étaient aujourd'hui rouge brique, d’une chaude couleur ocre jaune, ou revêtus d’un enduit blanc et lisse.

Cette fois, lorsque j’arrivai à la gare de Gand-Saint-Pierre et que je me rendis en tramway au centre-ville, ma première impression fut que Gand était devenue comme d’autres villes, avec ses hôtels et ses grands magasins de célèbres chaînes internationales, les publicités et les logos que l’on trouve aussi ailleurs, mais le tout en plus opulent, en plus riche , en plus somptueux, un présent paré du lustre d’une ville à première vue jamais détruite et demeurée indemne à travers les siècles. Où sinon à Gand eût on pu voir, la nuit, des quais aménagés en promenades aux illuminations féériques, et des alignements de façades comme celui entre le pont Saint-Michel et le château des comtes de Flandre, le Gravensteen, où chaque maison tourne sa façade soigneusement ouvragée vers la Lys ? Où trouver une pareille concentration de styles architecturaux si divers dans un espace aussi réduit ? Où la fusion des époques se prêtait-elle aussi nettement à l’étude que lors d’une promenade sur la place Saint-Bavon ou le Vrijdagmarkt ? Et les trois tours de Saint-Nicolas, du beffroi et de Saint-Bavon n’avaient-elles pas anticipé la hardiesse des gratte-ciels de Manhattan ? L’espace urbain tout entier était un intérieur auquel avaient travaillé des générations entières, mètre carré par mètre carré, centimètre par centimètre, l’incarnation du savoir-faire et de la ferveur d’architectes, de maçons, de charpentiers, de tailleurs de pierre – et d’autres métiers dont nous ne connaissons même plus les noms. Gand, œuvre d’art totale, édifiée au cours de longs siècles de travail sans cesse interrompu, toujours reconstruite, raffinée, polie comme un joyau.

 


Henry van de Velde et la modernité
Mais la ville réserve encore des surprises auxquelles mêmes des touristes expérimentés ne sont pas préparés, des chocs qui suscitent chez eux de tout autres pensées et une perspective différente sur la ville. J’ignorais que Henry van de Velde, l’un des architectes et designers les plus importants et élégants du XXe siècle, eût fait construire à Gand. En plus, il s’agissait d’un bâtiment exceptionnel qui domine la ville de toute sa hauteur, la Tour des Livres de l’université. Nous connaissons bien sûr Henry van de Velde comme l’architecte des archives Nietzsche à Weimar, comme un des amis du mécène le comte Harry Kessler, comme l’auteur de la villa Esche de Chemnitz et de luxueuses résidences bruxelloises, comme l’un de ceux qui, s’étant introduits avec leurs lignes simples et claires dans le monde surchargé et éclectique de la fin du Gründerzeit, l’époque des fondateurs, étaient venus annoncer un style nouveau ; ou encore comme l’un de ceux pour qui l’Art nouveau, le Jugendstil, n’était qu’un stade de transition vers le fonctionnalisme et le rationalisme du XXe siècle, dans lequel la beauté des matériaux et la fonction elle-même transparaissaient et déterminaient le style. Henry van de Velde fut un pionnier des formes de la fin du XIXe siècle, dont l’influence se prolonge très avant dans le XXe siècle, au même titre qu’Adolf Loos, Peter Behrens, Bruno Taut et Fiodor Schechtel.

Et voici qu’il s’avérait qu’il n’était pas seulement un maître de la « petite forme », des pièces d’habitation intimes, des intérieurs méticuleusement pensés, des détails minutieux, mais aussi un architecte qui avait osé entreprendre un gratte-ciel dans le style américain ! Je vis le bâtiment pour la première fois sous la forme d’une maquette au Musée municipal de Gand. Elle se dressait dans une salle séparée, toute blanche, représentant une tour haute de 64 mètres et de 24 étages, dominant un vaste bâtiment de deux étages autour d’une cour intérieure, destiné à héberger l’accueil, les services administratifs, mais avant tout les salles de lecture. Dans ses lignes épurées, la maquette ressemblait presque à l’un de ces dessins d’architecture tels qu’on les connaît des catalogues du Bauhaus. Il ne s’agissait cependant pas d’un croquis architectural, mais de la représentation d’un bâtiment réellement construit. Il suffisait pour le voir de prendre un peu de hauteur dans la ville. On aperçoit La Tour des Livres à partir de nombreux endroits de la ville, non seulement en raison de sa hauteur, mais aussi parce qu’elle est construite sur l’une des principales éminences de la ville, le Blandijnberg, traditionnellement un quartier ouvrier et habité aujourd'hui par de nombreux étudiants et immigrés. Lorsqu’on fait l’ascension de la colline en venant de la Lys, en passant devant les bâtiments de l’université, on voit que la Tour des Livres se dresse sur une sorte de plateau garni sur la la longueur de fenêtres en bandeau et sur la façade d’un escalier demi-circulaire typique du Bauhaus. En 1933, à l’époque où Van de Velde reçut la commande, loger une bibliothèque dans une tour n’allait nullement de soi. Les problèmes de transport des livres, de leur stockage et de leur protection contre l’eau et le feu paraissaient trop grands. Aujourd'hui, une visite guidée permet de voir dans les sous-sols les 180 poutres d’acier sur lesquelles repose l’ensemble du bâtiment. Un monte-charge pour les livres, importé des États-Unis après la guerre, a entre-temps été mis hors service pour des raisons de sécurité. L’unique ascenseur qui desservait les 24 étages ne pouvait répondre aux exigences du fonctionnement efficace d’une bibliothèque. Les plus de trois millions de livres de la bibliothèque universitaire sont provisoirement entreposés dans un dépôt annexe, mais sous le corps de bâtiment principal ont déjà été construits de nouveaux dépôts, sur plusieurs étages, et conformes aux normes de sécurité les plus récentes. Et en dépit des objections qui s’élevèrent dès l’époque de la construction entre 1935 et 1940 au vu des problèmes techniques et logistiques manifestes, la Tour des Livres est un bâtiment magnifique, qui vient offrir à la cité des trois tours une quatrième consœur, ajoutant ainsi une belle verticale à la ligne d’horizon de la ville.


Il est vrai que dans les dernières années, l’état du bâtiment – des vitres cassées dans les trois renfoncements abritant les fenêtres qui courent sur toute la hauteur de la tour, ainsi que des irrégularités de surface sans doute dues à des défauts des matériaux et aux intempéries – en gâchent quelque peu l’aspect monumental, mais on n’a aucune peine à imaginer l’effet que fera de nouveau la tour lorsque sa rénovation très coûteuse – que l’on estime à quelque 70 millions d’euros – sera achevée. La surface lisse du bâtiment, tout entière d’un gris élégant, les bandeaux de fenêtres réparées et le belvédère de verre à plusieurs étages au sommet de la tour, tout cela fera de la Tour des Livres une attraction architecturale de la ville, bien propre à enrichir l’image de Gand, mais peut-être aussi à lui prêter une nouvelle inflexion : Gand ne serait plus seulement une métropole du Moyen-Âge, pas seulement un centre de l’âge d’or de la bourgeoisie flamande, mais une ville qui a redéfini sa place au XXe siècle. Le belvédère et les salles déjà rénovées – le lobby, les corridors, l’administration et les salles de lecture – permettent déjà de discerner ce que Van de Velde avait à l’esprit : un espace pensé jusqu’au plus infime détail, dans lequel les fonctionnalités d’une grande bibliothèque doivent se concilier avec des ambitions esthétiques et où la solidité d’un savoir-faire artisanal doit s’allier au raffinement de la forme. L’édifice est transparent – le verre est largement employé, aussi bien à l’intérieur que vers l’extérieur, et vers la cour intérieure – l’éclairage zénithal est presque omniprésent, les couloirs sont peints en des couleurs claires, les portes et leurs encadrements ont la même nuance de chêne. Les cadres des fenêtres, les portes, les rampes d’escaliers ont conservé la note typique de la période Art Déco : plinthes et baguettes métalliques, laquées noir ou chromées. Le belvédère est une attraction particulière, une espèce de sky desk comme ceux que l’on connaît par le Rockefeller Center ou par les tours détruites du World Trade Center : un vaste espace qui s’étend sur deux étages, muni de fenêtres et de balcons sur ses quatre côtés et d’où s’ouvre une vue somptueuse sur la ville, le fleuve et leurs environs. Que les salles aient été pensées comme lieux de rencontre universitaires, pour des conférences érudites tout autant que pour la distraction cultivée, c’est ce que révèle la décoration opulente – bois tropicaux, escaliers de marbre noir, balustrade chromées – mais aussi une gigantesque table de billard dont personne ne saurait plus dire aujourd'hui comment elle put être montée ici par les escaliers étroits ou par l’ascenseur. Pendant la Seconde Guerre mondiale, ce point le plus élevé de la ville servit aux Allemands de tour d’observation, mais il n’a manifestement presque pas été touché par la guerre. On peine à imaginer ce qui se passerait si l’accès au belvédère était ouvert aux touristes après l’achèvement de la rénovation, cela ajouterait en tout cas de considérables recettes au budget de l’université.

Le quartier où se dresse la Tour des Livres possède encore d’autres bâtiments qui évoquent une période historique que l’on n’associe pas habituellement à l’image de Gand, avant tout marquée par le Moyen Âge et la Renaissance : le nouveau cirque, dont on distingue de loin le sommet du chapiteau, les locaux de la rédaction d’un journal avec son entrée vitrée avançant dans la rue qui évoque la modernité des années 1920, mais aussi la maison du peuple, le Vooruit (« En avant »), avec ses salles de théâtre et ses restaurants, dont l’inauguration avait eu lieu avant la Première Guerre mondiale. (Plus loin, on peut voir un autre bâtiment très caractéristique de la modernité des années 1920, la piscine Van Eyck, de style Art déco, sur la Veermanplein).

 


Gand comme icône. La photo de 1913 d’Edmond Sacré.
On doit à Edmond Sacré, le portraitiste et documentariste de Gand entre les années 1870 et 1921, une image d’une puissance évocatrice sans égale : de son point d’observation sur le pont Saint-Michel, elle montre l’alignement des trois édifices, l’église Saint-Nicolas, le beffroi et la cathédrale Saint-Bavon. Les trois tours gothiques, déjà imposantes par elles-mêmes, apparaissent dans cet alignement comme la culmination et la condensation de corps de bâtiments qui se dressent à la verticale. Sacré ne s’est pas borné ici à représenter des bâtiments du gothique flamand déjà remarquables en soi ou à illustrer photographiquement un espace urbain, mais il a créé une icône dans laquelle la ville entière se retrouve, mais qui menace aussi parfois, par sa puissance, de faire disparaître la ville réelle. Ce chef-d’œuvre n’est pas uniquement dû au génie de Sacré comme photographe de la ville ni seulement au genius loci, mais aussi à un momentum historique. Sacré réalise cette image exemplaire de la ville de Gand à un moment décisif : en 1913, alors que la ville s’apprête à définir sa propre image pour la présenter au monde. En 1905, il avait été décidé que l’Exposition universelle de 1913 aurait lieu à Gand, avec pour centres d’intérêt principaux les fleurs et l’histoire de la capitale de la Flandre. Avec cette quintessential image, cette signature, Gand devait, comme nous l’ont appris les recherches de Bruno Notteboom, se présenter à la fois comme une ville de grande tradition et comme une ville moderne. Cette image fut diffusée dans toute l’Europe, dans le monde entier, par le biais des guides touristiques pour l’exposition, de cartes postales, de prospectus, de réclames pour des hôtels, et elle s’imprima ainsi dans la mémoire collective. Dans la ville de l’Exposition universelle, tout était réuni : la splendeur des parades, mises en scène par une bourgeoisie pleine d’assurance, et la modernité d’une ville capable de s’offrir une gare toute neuve ; le succès d’une ville industrielle importante, la « Manchester du continent », et celui d’un mouvement ouvrier sûr de sa force et dont les dirigeants comptaient parmi l’élite de l’Internationale socialiste. Il s’agissait aussi de démontrer la richesse d’un empire colonial, qui se reflétait dans le pavillon des glaces du Congo, semblable à un Panthéon, mais aussi le monde préservé du village flamand, avec ses fermes modèles et ses cuisines modèles, qui symbolisaient la productivité de l’agriculture. Dans le même temps, l’Exposition universelle de 1913 présentait, pour la dernière fois, l’inhumanité du zoo humain, dans lequel les « indigènes » étaient livrés à la curiosité des visiteurs. La dernière année avant le commencement de la Première Guerre mondiale, Gand avait été le théâtre d’une démonstration de capacité productive globale et celui de la réinvention d’une cité ancienne, riche en traditions à l’époque de la modernité. Gand pouvait ainsi rivaliser avec les expositions spectaculaires de Chicago et de Paris, avec des conséquences architecturales pour la ville que l’on peut encore observer de nos jours. Si le marché aux fleurs n’avait pas brûlé en 1962, il serait probablement aujourd'hui le lieu le plus visité du parc de la Citadelle. Mais il est d’autres bâtiments à admirer : le Musée des Beaux-Arts, avec son merveilleux éclairage zénithal et sa magnifique collection de peintures flamandes, le Quartier des Millionnaires et les constructions Art nouveau plutôt atypiques pour Gand au sud du terrain de l’exposition et de l’actuel parc de la Citadelle, et enfin, et non des moindres, la gare Saint-Pierre à partir de laquelle les millions de visiteurs se rendirent à l’exposition. C’est une gare superbe et l’on peut y prendre conscience encore aujourd'hui que la Belgique fut un temps un pays européen de pointe dans le domaine des chemins de fer : une Belgique non seulement une comme communauté imaginaire, mais comme une communauté ferroviaire, la construction d’une nation comme le fruit de ses infrastructures, des moyens de circulation et de communication. Seules des villes aussi grandes et prospères que Gand pouvaient s’offrir de tels bâtiments, avec leurs longues façades au style architectural remarquable, avec leurs tours semblables à des minarets, avec des halls de gare ornés de fresques en mosaïque comme des nefs d’église et des basiliques. 1913 fut la dernière année avant la Première Guerre mondiale, le dernier été où les curistes en route pour Ostende purent faire escale à Gand ou Bruges pour se faire une dernière fois une image de l’Europe de la Belle Époque. Mais à la différence d’Ypres, éloignée tout au plus d’une heure de voiture, et plus encore de Louvain, qui subit de lourdes destructions dans laquelle elle perdit sa bibliothèque mondialement célèbre, on ne remarque à Gand aucune trace extérieure de la guerre que les Allemands avaient importée en Belgique. Mais c’est là, naturellement, une illusion à laquelle un visiteur étranger peut aisément succomber : des professeurs gantois, comme l’historien Henri Pirenne dont la célébrité s’était étendue dans l’Europe entière, comptèrent parmi les premières victimes de l’invasion allemande.

 


Henri Pirenne à propos du centre de l’Europe moderne.
Henri Pirenne, l’historien belge le plus important de son temps, fut affecté par la guerre à divers titres. Après avoir étudié et passé son doctorat à Liège, l’historien avait prolongé ses études à Berlin et à Leipzig, pour occuper ensuite la chaire d’histoire de l’université de Gand ; il fut indigné par l’invasion allemande d’août 1914 et en particulier par la mobilisation nationaliste de savants et d’intellectuels allemands dans leur tristement célèbre « Appel aux nations civilisées » d’octobre 1914. Il se refusa à participer au projet du gouverneur-général allemand de Belgique, Moritz von Bissing, consistant à rouvrir l’université de Gand qui avait d’abord été fermée, en tant qu’université flamande sous direction allemande. En même temps que son collègue gantois Paul Fredericq (1850-1920), il fut déporté dans le Reich allemand, où il fut interné entre 1916 et 1918 dans différents camps, à Krefeld, Holzminden et Creuzburg sur la Werra ; à la suite de protestations internationales, il put cependant passer quelque temps à l’université d’Iéna. Son cas avait attiré l’attention du monde intellectuel et le philologue danois Kristoffer Nyrop (1858-1931) l’avait abordé dans son livre de 1917,The imprisonment of the Ghent professors, a question of might and right : my reply to the German legation in Stockholm. Durant sa captivité en Allemagne, Pirenne tint un journal qui fut publié dans la Revue des Deux Mondes (1919-1920) sous le titre de Souvenirs de captivité en Allemagne (mars 1916-novembre 1918). La recherche des motifs qui avaient causé l’explosion de violence et la catastrophe européenne l’occupa durant le reste de sa vie. En 1928, il publia pour le Carnegie Endowment for International Peaceune étude intitulée La Belgique et la Guerre mondiale.

L’expérience de la guerre eut aussi de profondes conséquences sur sa méthode et sa perspective d’historien. Lors du Cinquième congrès international des Sciences historiques de Bruxelles, en 1923, sa conférence inaugurale, intitulée De la Méthode comparative en histoire, se penchait sur la question de savoir dans quelle mesure les sciences historiques avaient elles-mêmes contribué au déclenchement du conflit. Il y exprimait la conviction qu’une spécialisation trop étroite et le manque de réflexion sur soi, en particulier dans le monde universitaire allemand, avaient favorisé la naissance d’une arrogance nationaliste et raciste. L’élaboration par Pirenne d’une méthode historique comparative, d’une approche qui ne traite donc pas les histoires nationales séparément, isolément, mais en comparaison et en contraste avec d’autres, trouve ses racines profondes dans cette expérience vécue qui va bien au-delà de la pure activité scientifique. Lors de la commémoration du centenaire du début de la Première Guerre mondiale, qui s’est aussi accompagnée dans toute la Belgique, d’expositions et de conférences, le clivage que la guerre a représenté pour les milieux intellectuels et le monde académique était particulièrement visible. Le souvenir de la guerre est par ailleurs inscrit dans l’espace urbain sous la forme de nombreux monuments dédiés aux soldats tombés et aux victimes. C’est encore plus vrai pour la Seconde Guerre mondiale, durant laquelle des centaines de milliers de Belges furent déportés en Allemagne comme travailleurs forcés, tandis que des milliers d’entre eux trouvaient la mort dans les camps. Sur le portail de la prison de la Nieuwe Wandeling, un bâtiment imposant en forme du panoptique classique, est apposée une plaque qui commémore les combattants belges de la Résistance qui furent incarcérés et exécutés ici.

Henri Pirenne mourut en 1935 et ne vit donc pas la Seconde Guerre mondiale. Mais il garde un lien avec la ville de Gand dans un autre sens fondamental, au-delà de l’université. Toute son œuvre gravitait autour du problème suivant : pour quelle raison le centre dynamique du capitalisme en plein essor et de l’Europe moderne s’était-il déplacé vers le nord-ouest du continent après qu’il eut été des siècles durant inspiré et promu à partir des rives de la Méditerranée et en particulier de ses rives orientales ? À ses yeux, ce n’étaient pas les invasions germaniques qui avaient détruit l’unité de la civilisation de l’empire romain, portée par la Méditerranée, mais un phénomène tout différent et plus tardif, qui s’était produit lorsque l’avancée de l’islam avait brisé l’unité de l’espace méditerranéen, provoquant une séparation définitive entre l’Orient et l’Occident, et que des régions ou des pays comme l’Afrique du Nord ou l’Espagne, qui faisaient jusqu’alors partie du monde occidental, avaient rejoint la sphère culturelle dépendant de Bagdad. Avec la fermeture des voies vers l’Est, les voies du commerce à longue distance vers l’Orient furent aussi réduites et il fallut attendre longtemps avant que ne commence une reconquista menée par les Cités-États et les républiques en pleine croissance du nord de l’Italie, en particulier Venise et Gênes. Aux yeux de Pirenne, c’est à cette époque que remonte l’essor des villes du nord-ouest de l’Europe, qui devaient devenir, à plus forte raison après la découverte des « Indes occidentales », autrement dit de l’Amérique, le cœur de l’Europe moderne et d’un nouvel âge d’or. Pirenne n’était donc pas seulement l’historien de la Belgique – son Histoire de Belgique en sept volumes lui avait valu de se voir décerner par le roi le prestigieux prix Francqui – mais avant tout l’historien de la genèse de la ville européenne moderne. Certains éléments de sa biographie ont sans aucun doute joué un rôle important sur ce point, comme le fait qu’il soit originaire d’une grande famille de fabricants de textiles de Wallonie, ce qui l’avait familiarisé avec l’histoire de l’industrie drapière, mais aussi les études de jeunesse qu’il avait consacrées à Liège et Dinant. Il est cependant hors de doute que le lieu où il a œuvré, l’université de Gand, au cœur de la ville, a été le site idéal de sa pensée et le laboratoire où se forma son imagination historique. « Pourtant, la Flandre et bientôt après elle son voisin le Brabant occupèrent une place hors pair au milieu de leurs émules », écrit Pirenne à propos de l’âge d’or du commerce du drap et de la laine. « Dans l'Europe du Moyen Âge, nulle région ne présentera, jusqu'au bout, ce caractère de pays industriel qui distingue le bassin de l'Escaut. Il offre à cet égard, avec le reste de l'Europe, un contraste qui fait penser à l'Angleterre du XVIIIe et du XIXe siècle. Nulle part, il n'est possible d'égaler le fini, la souplesse, le moelleux et la coloration de ses étoffes (1). » Il trouva ici, comme dans un livre d’images, tous les motifs et toutes les forces qui présidèrent à la naissance de la ville européenne. Il trouva ici les milieux sociaux, les espaces urbains, les expressions architecturales et artistiques de tous ces processus qui le fascinèrent en tant qu’historien jusqu’à la fin de sa vie. Il y avait là les voies de communication, les canaux et les ports, dans la zone fluviale de l’Escaut, du Rhin et de la Meuse. Il y avait là le château fort qui offrait sa protection et avait été au cœur du développement de la ville. Il trouvait ici les places publiques sur lesquelles se tenaient les foires et les kermesses et par où passait le commerce à longue distance. C’est ici qu’étaient nées les institutions qui représentaient les intérêts des artisans, des guildes, des familles patriciennes, et dans lesquelles s’exerçait l’administration autonome de la cité. Dans les bâtiments religieux – cathédrales, cloîtres et béguinages –, Pirenne trouvait l’expression du pouvoir spirituel ; dans les bâtiments de la communauté bourgeoise – tribunaux, hôpitaux, prisons, Halle aux draps, bourse du commerce, office de pesage – il avait sous les yeux l’incarnation du pouvoir séculier. Chaque époque avait laissé son empreinte artistique dans les rues et les ruelles de la ville, chaque façade portait le témoignage des conjonctures historiques, de l’opulence ou du déclin. Le chercheur trouvait ici un matériau d’une inépuisable richesse, différencié à l’infini, et les formes les plus subtiles, sur lesquels il pouvait concentrer toute sa puissance d’analyse. Ce n’est pas seulement l’influence de Karl Lamprecht ou celle de Marc Bloch, le pionnier d’une historiographie embrassant toutes les disciplines, que Pirenne avait bien connu et dont il estimait beaucoup l’œuvre, mais aussi l’expérience immédiate de l’univers urbain si complexe – de manière assez similaire à celle de son collègue hollandais Johan Huizinga – qui avaient permis à Pirenne de devenir l’un des maîtres de l’histoire culturelle moderne. L’économie, la circulation, le droit, la littérature, l’histoire de l’architecture, tous ces aspects se fondaient, dans son livre de 1927, Les Villes du Moyen Âge, essai d’histoire économique et sociale, en un panorama exhaustif et complexe de l’apogée des cités européennes. S’il est vrai que l’exploration des villes commence toujours dans l’esprit, les études classiques de Pirenne, toujours disponibles en librairie et sans cesse rééditées, y constituent la meilleure introduction. On peut aussi, dans le même but, visiter le Musée de la Ville de Gand de la Bijloke (Stadsmuseum Gent, installé sur ce qui fut jadis le site d’un vaste ensemble comprenant une abbaye et un hospice. La première salle présente une maquette monumentale et une immense carte de la ville sur laquelle on peut marcher et distinguer rues et maisons : une joie pour les enfants, mais aussi pour les adultes, qui trouveront au musée une parfaite illustration de l’histoire de Gand, avec des cartes, des documents, des découvertes archéologiques, des origines de la ville jusqu’à notre époque.

 


L’Europe dans le delta.
C’est à Gand que j’ai entendu pour la première fois l’expression « région du delta ». Il s’agit du delta du Rhin, de l’Escaut et de la Meuse, des paysages parcourus de fleuves et de canaux de la Flandre, du Brabant et de la Zélande, avec leurs ports qui relient l’Europe au monde entier : Anvers, Rotterdam, Ostende. Du belvédère de la Tour des Livres, on peut voir un panorama presque identique à celui qu’a fixé une vue monumentale de la ville datant de 1534 : Gand comme ville portuaire traversée de fleuves et de canaux, une vision dont je n’étais pas coutumier, moi qui étais arrivé ici, probablement comme la majorité des visiteurs, en provenance de Bruxelles. Bruxelles est toute proche, à moins d’une heure de train. On arrive dans une gare qui, pour l’instant, est un chantier. Gand s’adapte, une fois de plus, au rythme de l’époque, cette fois-ci par le réseau et le rythme des trains à grande vitesse. De même que les autres villes de la région du delta, Gand se voit désormais placée dans les environs de la capitale de l’Union Européenne. Pour les députés, les employés, les fonctionnaires, les secrétaires et les diplomates qui viennent se mêler à la société composite de Bruxelles, il n’est pas de meilleur lieu que Gand pour se faire, en joignant l’utile à l’agréable, une idée du devenir de l’Europe moderne. Ils peuvent apprendre ici que l’unité de l’Europe n’est pas seulement stimulée par des expériences catastrophiques, mais aussi par la puissance et la splendeur de ses villes. Dans une période de crise et d’essoufflement apparent, les Européens ne peuvent se passer de l’inspiration qu’une ville telle que Gand est en mesure de leur procurer.

 

(1) Henri Pirenne, Histoire économique et sociale du Moyen Âge, P.U.F., Paris, 1963, p. 32.

 

Remerciements.
Cet essai sur Gand n’aurait pu être écrit sans l’invitation que j’ai reçue de Xander Stroo de la maison flamando-néerlandaise deBuren et sans l’hospitalité de Christine de Weerdt, la directrice du Musée de la ville de Gand. La discussion avec Michiel Dehaene et l’étude de Bruno Notteboom sur Edmond Sacré ont été pour moi des sources d’inspiration. Une longue promenade avec M. Frank Beke m’a permis de prendre connaissance de Gand comme ville moderne, en développement permanent. Je dois avant tout à Geneviève Warland d’avoir redécouvert Henri Pirenne : rapport du congrès « Henri Pirenne (1862-1935) : un historien belge face au développement des sciences sociales et historiques », 27.03.2009 – 28. 03. 2009, Gand et Bruxelles, in : H-Soz Kult, 29.05.2005, (dernier accès 20.12.2014.)

 

 

 

Traduit de l'allemand par Didier Renault

 

Didier Renault (né en 1956) se consacre à la traduction de textes de sciences sociales depuis une quinzaine d’années. Ses domaines d’intérêt particulier sont la philosophie, en particulier l’oeuvre de Jean-Paul Sartre et celle de Simone de Beauvoir, et la musique.

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Ghent – a European Panorama. Henri van de Velde, Edmond Sacré, Henri Pirenne


I had long known that Ghent was an important, ancient city, well worth a visit. I had seen it as a student on a cycling tour from South Germany that followed the Rhine to its mouth and took in Amsterdam, Rotterdam and Antwerp as well as Bruges and Ghent. What had stayed in my memory were the béguinages, the canals, the willows whose branches touched the surface of the water and the rust-red colour of the bricks. And somehow there also remained a memory of spacious squares, magnificent Renaissance façades, Gothic town halls and churches. Of course, much has changed since then, as in other towns. The traffic that previously overwhelmed the inner cities seems in the meantime to have been reined in; pedestrians appear to have regained the upper hand. The streets have become crowded, full of pedestrians out and about in pursuit of their favourite activity: shopping. Groups of people were making their way to the tourist sights; almost every language known to man could be heard. In the main shopping district international brands have ousted national names, to say nothing of local ones. Even the colouring of the towns has undergone a change. As recently as the 1960s and 1970s the towns were grey, scarred by age and rust and sometimes even the marks of war damage. Now, however, the buildings glowed, perhaps more brightly even than they had when they were first built: brick-red, warm yellow ochre or smooth, white rendering.

On this occasion, when I arrived at St Peter’s Station and took the tram to the town centre, my first impression was that Ghent now looked like every other town, with hotels and shops belonging to the familiar international chains, the ubiquitous ads and logos that are to be seen everywhere, but that now everything looked even more prosperous, richer and more magnificent, a present reality with the gloss of a town that at first sight seemed never to have suffered and that had remained unscathed through the centuries. Where else could you find fairy-tale riverside promenades and façades illuminated at night like those between St. Michael’s Bridge and Gravensteen, where every house turns its carefully decorated façade towards the River Leie? Where else could you find so many different architectural styles compressed into so confined a space? Where else could you see historical epochs merging into one another so clearly as during a stroll on the Sint-Baafsplein or the Vrijdagmarkt? And what about the trinity of towers of St Nicholas, the Old Belfry and St Bavo? Don’t their bold outlines anticipate the skyscrapers of Manhattan? The entire urban space is an interior which has been worked on by generations, square metre by square metre, centimetre by centimetre, the very embodiment of the skill and diligence of builders, masons, carpenters, stone masons – and other craftsmen whose trades have long since been forgotten. Ghent is a Gesamtkunstwerk that has been painstakingly constructed over centuries, despite frequent interruptions, after which building has been resumed, refined and polished like a jewel.

 


The Modernism of Henri van de Velde
But then there are surprises for which even seasoned travellers are unprepared, as well as shocks that make you rethink your ideas and change your view of the town as a whole. I had not known that Henri van de Velde, one of the most important and elegant of twentieth century European architects and designers, had been active in Ghent and had built an outstanding building, one that towers above the city: the Book Tower, or ‘Boekentoren’, of the University. Henri van de Velde is known to us as the architect of the Nietzsche Archive in Weimar, as the friend of Harry Graf Kessler, the patron of the arts, as the designer of the Villa Esche in Chemnitz and luxury dwellings in Brussels, as one of the people who first introduced clear and simple lines into the over-furnished and eclectic world of the late Victorian Age and proclaimed a new style of which Art Nouveau represented no more than a transitional stage to the functionalism and rationalism of the twentieth century, with their emphasis on purpose and the beauty of the materials used. Henri van de Velde was a pioneer of form in the dying nineteenth century, whose achievements point far into the twentieth century, alongside those of Adolf Loos, Peter Behrens, Bruno Taut and Fyodor Schechtel.

It has now become apparent that he was not only the master of ‘small-scale forms’, of intimate domestic dwellings, ‘through-composed’ interiors and lovingly etched details; he was also a master builder who aspired to the heights of an American-style skyscraper! I first saw the Book Tower as a model in the Ghent City Museum. It stood in a separate room, completely white, a 64-metre-high building of 24 storeys, towering above a vast, two-storey tract around an inner courtyard containing the reception, the administration and above all, the reading rooms. With its laconic lines, the model itself seemed almost like an architect’s drawing of the kind to be found in Bauhaus catalogues. However, it wasn’t an architect’s drawing but the model of an actual building. To see it, all you had to do was to step out into the city. The Book Tower is visible from many points, not only because of its height but because it was constructed on the highest point of the city, the Blandijnberg, traditionally a working-class quarter, inhabited nowadays by large numbers of students and immigrants. When you climb the hill coming from the Leie and pass the university buildings, you can see that the Book Tower seems to be perched on a horizontal plateau. Its long wall features a horizontal row of windows, while the semi-circular stairwell on the side is reminiscent of the Bauhaus. In 1933, when van de Velde received the commission, library towers were anything but the norm. The difficulties of transporting the books, storing them and protecting them against fire and flood seemed too great. Today, on a guided tour of the cellar vaults, you can see the 180 steel columns supporting the entire edifice. A book lift imported from the USA after the war is no longer in use because of safety concerns. The single passenger lift connecting the 24 floors would scarcely have sufficed to satisfy the needs of an efficient library service. The Library’s more than three million books are currently stored in a temporary storage facility, but an underground repository several floors deep has been built to the latest safety standards beneath the main building. And despite the self-evident technical and logistical problems, which had prompted objections during the main construction period between 1935 and 1940, the result has been a sensational building, one that adds a fourth tower to the City of Three Towers and a new vertical to the Ghent skyline.

Admittedly, in recent years the monumental impression has been diminished by the state of the building – in particular, the broken panes in the three window apertures running from top to bottom and the roughnesses in the building surface caused by defective materials and by weathering. But it is not hard to imagine that the impact of the whole will be restored once the costly renovations – estimated at up to €70 million – are complete. The smooth building surface in an elegant grey with the restored ribbon glazing and the several-stories-high glass Belvedere – all that together will turn the Book Tower into an architectural attraction, one that will enrich Ghent and perhaps give it a new emphasis: Ghent will be seen to be more than a medieval metropolis, a centre of the Golden Age of the Flemish bourgeoisie, it will become instead a city that has redefined its place in the twentieth century. Even now the Belvedere and the newly restored spaces – the foyer, the corridors, the administration area and the reading rooms – enable us to see what van de Velde had in mind: a space that was ‘through-composed’ down to the last detail, one in which the functionality of a great library must harmonise with aesthetic claims and where solid craftsmanship is married to formal sophistication. The building is transparent, with plenty of glass inside as well as to the outside and to the inner courtyard. There are skylights almost everywhere, the corridors are brightly lit, doors and door frames are all in oak. Window frames, doors, staircases are all finished in Art Deco style – black varnished iron or chrome fittings. The Belvedere is a special highlight, a kind of sky deck familiar from the Rockefeller Center or the now destroyed Twin Towers of the WTC, a spacious hall over two floors in height with windows and balconies on all four sides, offering a magnificent view of Ghent and the riverscape. The space was clearly designed with academic gatherings, learned lectures and cultivated conviviality in mind, as can be seen from the quality of the furnishings – tropical-wood panelling, a staircase in black marble, chrome railings – as well as from the outsize billiard table about which no one can explain how it could have arrived at its present location, whether via the narrow staircase or in the lift. In the Second World War the highest point of the city served as a German observation post, although it has emerged almost unscathed from the war. It is hard to imagine what would happen if the Belvedere were to be opened to tourists in general once the restoration work is completed – but at all events it would mean a significant addition to the University’s income.

The district over which the Boekentoren towers has other buildings that point to a different phase of history from what we normally associate with the image of Ghent: the Middle Ages and the Renaissance. In particular, there is the New Circus, whose tent-like roof is easily recognized from a distance, a newspaper head office from the 1920s with a glass porch projecting into the street that evokes 1920s modernism, and also the Vooruit Cooperative Building with its theatre and restaurants, which opened before the First World War. Further away, and very well worth seeing as an example of 1920s modernism, is also the Art Deco van Eyck swimming pool on the Veermanplein.

 


Ghent as an icon: Edmond Sacré’s picture of 1913
Edmond Sacré, the portraitist and documentary photographer of Ghent between the 1870s and 1921, left behind a picture of incomparable succinctness and power. Gazing from his vantage point on St. Michael’s Bridge, we see three buildings, one behind the other, in staggered formation:  St Nicholas’ Church, the Belfry and St Bavo’s Cathedral. Arranged like this, these three Gothic towers, each monumental in itself, look like massive structures being forced skywards, concentrated and intensified. Thus Sacré has done more than simply photograph notable examples of Flemish Gothic architecture or reproduce a cityscape; he has created an icon with which the entire city can identify, even if the massive image may sometimes threaten to displace the reality. This masterpiece is the product not simply of Sacré’s artistic genius as a photographer or even of the genius loci; it is also the product of a historical moment. Sacré produced the authoritative image of Ghent at a crucial juncture, in 1913, when the city was preparing to create its own image and present it to the world. It was decided in 1905 that the 1913 World Fair would be held in Ghent with flowers and the history of the capital of Flanders as its focal points. As we learn from the historical researches of Bruno Notteboom, Ghent would use this ‘quintessential image’, this ‘signature’, to present itself as a city of great tradition, but also as a modern city. Tourist guides for the World Fair disseminated this picture throughout Europe and the world on postcards, in brochures and via hotel advertisements, and in this way it became part of collective memory. Everything came together in the city of the World Fair: the splendour of the processions organized by a confident middle class, the modernity of a city which had just built a new grand railway station; the success of a major industrial town, the ‘Manchester of the Continent,’ and a self-confident working-class movement whose leaders belonged among the luminaries of the Socialist International. The aim was to showcase the affluence of a colonial empire as reflected in a Pantheon-like glass palace with a gigantic panorama of the Congo, but also the unspoilt world of the Flemish village whose exemplary farms and kitchens conjured up the achievements of agriculture. The World Fair of 1913 was also the last exhibition celebrating the inhumanity of the human zoo in which ‘natives’ were put on show to satisfy the curiosity of visitors. In the last year before the outbreak of the First World War, Ghent became both the theatre of global achievement and the reinvention of an ancient, tradition-rich city in the age of modernity. It thus took its place in a series of spectacular world fairs from Chicago to Paris, and this transformed the face of the city in ways still visible today. If the Flower Hall had not burned down in 1962, it would probably be the most visited part of Citadelpark today. But other buildings can still be admired: the Museum of Fine Art with its glorious skylight and the exquisite collection of Flemish paintings, the Millionaires’ Quarter and the Art Nouveau architecture that is otherwise uncharacteristic of Ghent, to be found to the south of the World Fair site and today’s Citadelpark; and, not least, Sint Pieters Station, from where millions of visitors made their way to the exhibition. The station is splendid, and we can still see today that Belgium was once the leading railway nation of the Continent: Belgians were not only an imagined community but a railway community; nation building as the result of infrastructure, transport and communications. Such exquisite buildings, replete with long horizontal façades in a curious colonial style with minaret-like towers, station concourses like church naves and basilicas all festooned with frescoes and mosaics – such things could be built only by large, wealthy cities like Ghent. 1913 was the last year before the outbreak of war, the final summer in which holidaymakers could interrupt their journey to Ostend and spend some time in Ghent or Bruges so as to enjoy a last look at the Europe of the belle époque. But unlike Ypres, which is no more than an hour’s travel away or Louvain, which was badly damaged and which lost its world-famous library, no superficial signs of the war the Germans had brought to Belgium can be seen in Ghent. However, this appearance is an illusion to which the stranger may easily succumb. Ghent professors, such as the world-renowned historian Henri Pirenne, were among the first victims of the German invasion.

 


Henri Pirenne on the centre of modern Europe
Henri Pirenne, the most important Belgian historian of his day, was affected by the war in a number of ways. As a historian whose undergraduate and postgraduate studies had been in Liège and who had gone on to study in Berlin and Leipzig before taking the history chair at the University of Ghent, he was shocked by the German invasion of Belgium in August 1914 and more particularly by the nationalistic mobilization of German academics and intellectuals in the notorious ‘Manifesto of the Ninety-Three’ of October 1914. He refused to support the plan of Moritz von Bissing, the German Governor-General of occupied Belgium, to reopen the University of Ghent as a Flemish university under German control. Together with his Ghent colleague Paul Fredericq (1850-1920), he was deported to the German Reich where between 1916 and 1918 he was interned in various camps in Krefeld, Holzminden and Creuzburg an der Werra. Thanks to international protests, he was able to spend some time at the University of Jena. His case attracted the attention of the international learned world and was discussed by the Danish philologist Kristoffer Nyrop (1858-1931) in his book, ‘The imprisonment of the Ghent professors, a question of might and right: my reply to the German legation in Stockholm’ of 1917. During his internment in Germany he kept a diary which was later published in the Revue des Deux Mondes (1919/1920) with the title ‘Souvenirs de captivité en Allemagne (mars 1916-novembre 1918)’. His search for the reasons for the outbreak of violence and the European catastrophe preoccupied him for the rest of his life. In 1928 he published his study La Belgique et la Guerre mondiale for the Carnegie Endowment for International Peace.

His experience of war also had profound implications for his methodologies and the development of his viewpoint as a historian. In his opening lecture ‘De la Méthode comparative en histoire’, which he gave to the 5th International Congress of Historians in Brussels in 1923, he explored the question of the ways in which historians themselves had contributed to the outbreak of violence. It was his belief that in the world of German scholarship in particular an all too narrow specialization and the absence of self-awareness had favoured the development of a nationalistic and racist arrogance. Pirenne developed a comparative method for the historical sciences: an approach, in other words, that refused to treat national narratives in isolation and insisted on comparing and contrasting them with others. It is evident that his endorsement of this methodology went deeper than a concern for scientific purity and was rooted in his own experience. In the hundredth year since the outbreak of the First World War, which – as elsewhere – has been commemorated all over Belgium by exhibitions and conferences, the caesura left by the war in the intellectual scene and the academic world in general has become especially evident, much as the war left numerous visible monuments for the fallen and other victims in the city itself. More visible still is the legacy of the Second World War, in which hundreds of thousands of Belgians were transported to Germany as forced labourers and thousands died in the camps. The entrance to Ghent Gaol in Nieuwewandeling, for example, an imposing building in the classical panopticon form, has a plaque commemorating the Belgian resistance fighters who were imprisoned and executed there.

Henri Pirenne died in 1935 and so was spared the Second World War. But he is connected to the city of Ghent in another, more fundamental way, one that goes beyond the University. His entire oeuvre is concerned with the question of how to explain the fact that the dynamic centre of capitalism and modern Europe shifted to the north-west of the Continent after centuries in which it had been inspired and driven by the Mediterranean countries, above all by those of the Eastern Mediterranean. In his view the unity of the civilized world based on the Mediterranean had been destroyed not by the migration of the Germanic tribes, but by an essentially later and very different process, the advance of Islam, which dissolved the unity of the Mediterranean space and separated the East from the West so that countries such as Spain and North Africa, which had previously belonged to the West now fell into the cultural sphere centred on Baghdad. The blocking of the roads to the east meant cutting the distant trade routes to the Orient and it was only after a considerable lapse of time that a Reconquista could begin, initiated by the rising city-states and republics of North Italy, chiefly Venice and Genoa. This coincided, according to Pirenne, with the emergence of the cities of north-west Europe which, following the discovery of the ‘West Indies’, i.e. America, was to become the focal point of modern Europe and a new Golden Age. This meant that Pirenne was not just the historian of Belgium – he had received the major royal prize of Belgium for his seven-volume ‘History of Belgium’; he was above all, the historian of the origins of the modern European city. No doubt, certain autobiographical features played a part here; one such is his descent from the family of a Walloon textile manufacturer, which acquainted him with the history of the cloth industry and presumably explains his early interest in the local histories of Liège and Dinant. But his place of work, the University of Ghent in the centre of the city of Ghent, was the ideal place for thought, the laboratory where his historical imagination was schooled. ‘Flanders and shortly afterwards its neighbour Brabant were exceptions amidst all their imitators’, Pirenne wrote on the heyday of the wool and cloth trade. ‘Right to the end of the Middle Ages, no region of Europe was as strongly industrialised as the Scheldt Basin. The contrast with the rest of the Continent reminds us of the England of the eighteenth and nineteenth centuries. The refinement, softness, suppleness and colour quality of the textiles produced have no equal.’ Pirenne had to look no further to discover, as if laid out in a picture book, all the motives and driving forces for the emergence of the European city. Here he could discover the urban spaces, the architectural and artistic manifestations of all the processes that continued to fascinate him as a historian until the end of his days. There were the transport networks, the canals and the ports in the riverscape of the Scheldt, the Rhine and the Meuse. Here was the fortress that provided protection and that formed the core of the settlement. Here were the town squares where the markets and annual fairs were held and that provided the foci for the development of long-distance trade. This was where the institutions grew up that represented the interests of tradesmen, the guilds and patricians and where municipal self-government was practised. Pirenne could see spiritual power expressed in the church buildings – the cathedrals, monasteries and béguinages – and the embodiment of secular power lay before his eyes in the buildings of the civic community – the courts, hospitals, prisons, cloth halls, stock exchange, and the weighbridge. Every age had left its artistic impression on the streets and alleyways of the town; every façade bore witness to the different periods of prosperity or decline. The student of history could discover an endless supply of rich and varied materials and subtle forms on which to focus his analytical powers. It was not just the influence of Karl Lamprecht or Marc Bloch, pioneers of an all-encompassing historiography that Pirenne knew intimately and valued highly. What enabled Pirenne – not unlike his Dutch colleague Johan Huizinga - to become a master of modern cultural history was also his direct experience of a complex urban world. The economy, transport, legal system, literature and the history of architecture – all these come together in his book Les villes du moyen âge. Essai d’histoire économique et sociale of 1927 and create a coherent, complex panorama of the European city. If it is true that the exploration of cities always begins in one’s head, then Pirenne’s studies, new editions of which continue to appear to this day, are still the best guide. One can also go into the Ghent City Museum that was built on the Bijloke, the site of a large former monastery and hospital. The first room contains a model of the city and a map you can walk around on, taking in the streets and houses: a delight for children, but also for adults who discover in the museum a perfect illustration of the history of Ghent – with maps, documents and archaeological finds extending from the beginnings of human habitation to the present day.

 


Europe in the Delta
I heard the expression ‘the Delta region’ for the first time in Ghent. It refers to the delta of the Rhine, the Scheldt and the Meuse, the landscapes of Flanders, Brabant and Zeeland with their network of rivers and canals and their ports - Antwerp, Rotterdam and Ostend - which link Europe to the whole world. From the Belvedere of the Book Tower you can see a panorama which is almost identical to a monumental picture of the town dating back to 1534. This shows Ghent as a port criss-crossed by rivers and canals, something of which I, having arrived directly from Brussels, was unaware, presumably like the majority of visitors. Brussels is nearby, not even an hour’s train journey away. You arrive at a station which is currently a building site. As in earlier times, Ghent is taking steps to adjust to the pace of the age, this time to the network and pace of high-speed trains. Like the other towns in the delta, Ghent now finds itself in the orbit of the capital of the European Union. For the parliamentarians, officials, senior executives, secretaries and diplomats who all congregate in the mixed society of Brussels there is scarcely another place from which they could so easily but also discriminatingly form a picture of the development of modern Europe. They could also discover here that the coming together of Europe is advanced not simply by one catastrophe after another but also by the vigour and the splendour and the beauty of its cities. In times of crisis and apparent exhaustion, Europeans cannot dispense with the inspiration that radiates from cities such as Ghent.

 

Acknowledgments
This essay on Ghent could not have been written had I not been invited to Ghent by Xander Stroo of the deBuren Foundation and the hospitality of Christine De Weerdt, the Director of the Ghent City Museum. I am indebted to discussions with Michael Dehaene for ideas and suggestions, and to Bruno Notteboom’s study of Edmond Sacré. A vigorous walk around Ghent with Mr Frank Beke gave me my first insight into the modern city, which continues to develop and change. My renewed discovery of Henri Pirenne I owe above all to Geneviève Warland’s conference report ‘Henri Pirenne (1862-1935): un historien belge face au développement des sciences sociales et historiques, 27.03.2009-28.03.2009’ Ghent, Brussels in H-Soz-Kult, 29/05.2009. (Accessed 20.12.2014.)

 

Translated from German by Rodney Livingstone
Podcast read by Simon Shrimpton-Smith


Rodney Livingstone was born in London in 1934. After studying German at Cambridge and Münster Universities he worked as a professor at several universities in Australia and the UK. He is currently Emeritus Professor of German at the University of Southampton. As an academic he has lectured on modern German literature and history. He has published essays on these as well as on Jewish-related topics. As a scholar he has devoted his career largely to translating works of German philosophy, both traditional and contemporary. He has translated books by, amongst others, Georg Lukács, Erick Kästner, Walter Benjamin, Max Weber, Theodor Adorno, Stefan Müller-Doohm, Jan Assmann, Karl Schlögel and Ulrich Beck. In 2009 he was awarded the Ungar German Translation Prize of the American Translators' Association for his translation of Detlev Claussen's Theodor W. Adorno. One Last Genius.